Du musst einen Wasserhahn im Altbau ersetzen, willst dein Bad modernisieren oder hast vor eine Duscharmatur zu wechseln? Dann wirst du sehr wahrscheinlich mit der Frage konfrontiert: „Niederdruck oder Hochdruck?“ Was sich dahinter verbirgt und wie du die Frage für dich selbst beantwortest, erfährst du hier. Alle Infos zum Unterschied zwischen Hochdruck- und Niederdruckarmaturen erhältst du im Folgenden.


Was ist der Unterschied zwischen Hochdruck und Niederdruck?

Wasserhahn wird aufgedreht

Wer noch nie etwas von Niederdruck- und Hochdruck-Armaturen gehört hat, vermutet vielleicht, dass der Unterschied mit dem Wasserdruck aus dem Wandanschluss zu tun hat. Das ist jedoch ein Trugschluss. Tatsächlich hängt die Frage, ob deine Armaturen für Niederdruck oder Hochdruck ausgelegt sein müssen, von der Art der Warmwassererzeugung in deiner Wohnung ab.

In deutschen Haushalten kommt das Wasser mit einem Druck von drei bis sechs Bar aus der Leitung. Wird deine Wohnung von einer zentralen Warmwasseranlage im Keller eines Mietshauses oder von einem eigenen Durchlauferhitzer versorgt, wird dieser Druck aufrechterhalten und aus dem Wandanschluss geleitet. Solche Anlagen sind auf hohen Wasserdruck ausgelegt und geben ihn unverändert weiter.

Kommt dein warmes Wasser allerdings aus einem elektrisch betriebenen Boiler oder Warmwasserspeicher, muss der Druck deutlich gesenkt beziehungsweise vollkommen herausgenommen werden, damit die Geräte keinen Schaden nehmen.

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Was bedeutet Niederdruck oder Hochdruck für die Armatur?

Das Wasser, das aus dem Wandanschluss kommt, hat immer den gleichen Druck. Der Unterschied liegt darin, für welchen Druck die Warmwasserbereitung ausgelegt ist. Doch was hat das mit Bad- und Küchenarmaturen zu tun? Ganz einfach: Die Armaturen müssen dem für das jeweilige Warmwassergerät nötigen Wasserdruck standhalten beziehungsweise ihn reduzieren können.

Noch einmal zur klaren Unterscheidung, was Hochdruck und was Niederdruck ist:

  • Hochdruck bezeichnet den in Deutschland üblichen Wasserdruck, der bei einer zentralen Warmwasserversorgung (z. B. in einem Mietshaus) oder einem Durchlauferhitzer (geschlossenes System) aufrechterhalten wird. Zu erkennen ist das daran, dass in deiner Wohnung zwei Wasseranschlüsse (warm und kalt) vorhanden sind.
  • Niederdruck ist hingegen für die Warmwassererzeugung mit strombetriebenen Boilern, Untertischgeräten oder Warmwasserspeichern in der Wohneinheit nötig. In diesem Fall findest du in deiner Wohnung lediglich einen Kaltwasseranschluss.

Was ist also der Unterschied zwischen einer Hochdruck- und einer Niederdruck-Armatur? Neben der Anzahl der Anschlüsse gibt es weitere bauliche und funktionelle Besonderheiten. Gut zu wissen ist für dich aber auf jeden Fall:


Was ist eine Hochdruck-Armatur und wie funktioniert sie?

Handwerker schließt Schlauch an Wasserhahn an

Die Hochdruck-Armatur ist in Deutschland der Standard. Aus diesem Grund wird in der Produktbeschreibung von Bad- und Küchenarmaturen oft nicht extra erwähnt, dass es sich um eine Hochdruck-Armatur handelt. Im Unterschied zur Niederdruck-Armatur lässt sie sich direkt an die Wasserversorgung anschließen, denn sie ist für einen Wasserdruck von bis zu 10 Bar ausgelegt.

Die Hochdruck-Armatur ist mit zwei Anschlussschläuchen ausgestattet, die mit den Eckventilen der Wasserleitungen verbunden werden. Für eine klare Zuordnung sind sowohl die Anschlüsse als auch die Wasserleitungen in Blau (Kaltwasser) und Rot (Warmwasser) gekennzeichnet. Wird das Warmwasser in einem geschlossenen Durchlauferhitzer erzeugt, verfügt dieser ebenfalls über einen Warm- und einen Kaltwasseranschluss, mit denen du die Anschlussschläuche der Armatur verbindest.

Bedienst du den Wasserhahn, fließt das Wasser direkt aus den Leitungen zum Mischventil, welches die gewünschte Temperatur erzeugt.


Wie unterscheidet sich eine Niederdruck-Armatur in ihrer Funktion?

Schlauch aus Armatur

Eine Niederdruck-Armatur hat die Funktion, das Wasser zurückzuhalten und nur eine gewisse Menge durchzulassen, damit der angeschlossene Boiler oder Wasserspeicher nicht unter Druck steht. Aufgrund dieser zusätzlichen Aufgabe besteht ein signifikanter Unterschied im Aufbau von Niederdruck- und Hochdruck-Armaturen: Die Niederdruck-Armatur ist mit drei Anschlussschläuchen ausgestattet.

  • Schlauch 1 wird mit dem Kaltwasseranschluss in der Wand verbunden und führt kaltes Wasser zum Wasserhahn.
  • Schlauch 2 befördert kaltes Wasser vom Wasserhahn in den Boiler.
  • Schlauch 3 versorgt den Wasserhahn mit Warmwasser aus dem Boiler.

Im Wasserhahn befindet sich ein Sperrventil, das als Durchflussbegrenzer funktioniert. Je nach Einstellung des Wasserhahns lässt es nur kaltes Wasser aus Schlauch 1 durch oder leitet einen Teil davon durch Schlauch 2 in den Boiler. Dort verdrängt das zufließende kalte Wasser das bereits vorgeheizte Wasser, das wiederum durch Schlauch 3 zum Wasserhahn fließt. Es vermischt sich dann mit dem Kaltwasser aus Schlauch 1 zur gewünschten Temperatur.


Welche Folgen hat der falsche Einbau einer Niederdruck- oder Hochdruck-Armatur?

Rein theoretisch könnte der hohe Wasserdruck Boiler oder Untertischgeräte beschädigen oder sogar zerstören, weil sie nicht dafür ausgelegt sind, unter Druck zu arbeiten. Dazu wird es in der Praxis allerdings nicht kommen, denn durch die unterschiedliche Anzahl und Art der Anschlüsse sind Verwechslungen ausgeschlossen.

Es wird wohl kaum passieren, dass du einen Wasserhahn für Hochdruck versehentlich an einen Niederdruck-Boiler anschließt, weil dir in diesem Fall ein Anschlussschlauch fehlt. Umgekehrt wäre beim Versuch, einen Niederdruck-Wasserhahn an einem Hochdruck-Anschluss zu nutzen, ein Schlauch zu viel vorhanden. Auch das sollte deutlich zeigen, dass diese Verbindung nicht funktionieren kann.

Diese Szenarien machen jedoch noch einmal deutlich, dass du dir deine Wasseranschlüsse im Vorfeld genau anschauen solltest, um teure Fehlkäufe zu vermeiden.


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