Sanierungsrealität 2025: Zwischen Förderdschungel und Kostenfallen

Person berechnet die Energieeffizienz eines Hauses mit einem Taschenrechner.
  • Erkenntnisse
  • Bürokratie & Förderanträge
  • Kostenrealität
  • Sanierungserfahrungen
  • Hindernisse & Motivation
  • Ausblick

Der Klimawandel und steigende Energiekosten machen energieeffizientes Wohnen wichtiger denn je. Eine energetische Sanierung bietet hier eine Lösung, um den Energieverbrauch deines Hauses nachhaltig zu senken und langfristig Kosten zu sparen. Ob Dämmung, moderne Fenster, Solaranlagen oder effiziente Heizungssysteme – mit den richtigen Maßnahmen kannst du nicht nur den Energieverlust deines Gebäudes senken und Energiekosten sparen, sondern auch einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Doch wie sieht die Realität bei energetischen Sanierungen wirklich aus? Wir wollten wissen, was Eigenheimbesitzer:innen tatsächlich in der Praxis erleben und was andere noch davon abhält, ihr Haus energetisch zu optimieren. Deshalb haben wir gemeinsam mit dem Marktforschungsinstitut Appinio im Mai 2025 eine umfassende Befragung durchgeführt – und dabei sowohl Sanierungserfahrene als auch Nicht-Sanierende befragt.

Von den 801 befragten Hausbesitzer:innen haben bereits 40 % (320 Personen) energetische Sanierungsmaßnahmen umgesetzt. In unseren Umfrageergebnissen zeigen wir dir die größten Hindernisse, die häufigsten Probleme und – besonders wertvoll – welche konkreten Tipps sanierungserfahrene Personen heute Interessierten mit auf den Weg geben würden. 


Bürokratie & Förderanträge kosten Sanierende teilweise bis zu 40 Stunden Zeitaufwand

Wer eine energetische Sanierung plant, sollte die verfügbaren Förderprogramme prüfen, die solche Maßnahmen finanziell unterstützen und wirtschaftlicher gestalten können. Sie können eine große finanzielle Stütze sein. Doch ein Viertel der befragten Sanierungserfahrenen hat die Sanierungsmaßnahme ohne jegliche Förderungen durchgeführt. Weitere 44 % wendeten gleichermaßen 5-10 Stunden oder 11-20 Stunden für die Förderanträge und Genehmigungen auf, was den zeitlichen und bürokratischen Aufwand verdeutlicht. Etwa 8 % gaben an, sogar bis zu 40 Stunden gebraucht zu haben, um Begünstigungen zu nutzen oder Bewilligungen einzuholen.

Wie viele Stunden haben Sie schätzungsweise insgesamt für Förderanträge und Genehmigungen aufgewendet?

Ich habe alles ohne Förderungen durchgeführt25,00%
5 - 10 Stunden21,88%
11 - 20 Stunden21,88%
Unter 5 Stunden16,56 %
21 - 40 Stunden8,13 %
41 - 80 Stunden4,06 %
Über 80 Stunden2,50 %

Jeder zweite zahlt drauf: Die aktuelle Kostenrealität bei Sanierungen

Bei energetischen Sanierungsprojekten können die tatsächlichen Kosten vom ursprünglichen Kostenvoranschlag abweichen, etwa durch unvorhergesehene bauliche Mängel, teure Handwerksdienstleistungen oder Materialpreissteigerungen während der Bauphase. Die Befragung bestätigt dies: Bei knapp 30 % lagen die tatsächlichen Kosten nahe am Angebot (±4 %), während jedoch ein Drittel (32 %) moderate Mehrkosten (+5-19 %) verzeichneten und 15 % sogar erhebliche Kostensteigerungen von bis zu 20-49 % mehr erlebten. Immerhin 16 % der Eigentümer:innen konnten tatsächlich Einsparungen gegenüber dem ursprünglichen Angebot erzielen.


Inwiefern bewahrheiteten sich vorherige Sorgen um die Sanierungsmaßnahme?

Die Befürchtungen vor Beginn der Sanierung bestätigten sich für viele Hausbesitzende: Etwa 36 % beklagten lange Wartezeiten auf Handwerkspersonal, ein weiteres Drittel (34 %) erlebte tatsächlich unvorhersehbare Kosten und Kostensteigerungen und 31 % empfanden die Förderbeantragung als kompliziert. Bei jeder vierten Person (28 %) traten zudem bauliche Probleme auf. Erfreulicherweise berichteten etwa 12 % der Befragten mit Sanierungserfahrung, dass sich keine ihrer zu vorigen Sorgen bewahrheitet haben. 

Welche Befürchtungen vor der Sanierung haben sich bei Ihrem Projekt tatsächlich bewahrheitet? (Zwischen 1 und 3 Antworten möglich)

Lange Wartezeiten auf Handwerker35,63 %
Unvorhersehbare Kosten/Kostensteigerungen33,75 %
Komplizierte Förderanträge31,25 %
Unerwartete bauliche Probleme27,50 %
Qualitätsprobleme bei der Ausführung21,88 %
Belastung durch Lärm und Schmutz21,56 %
Längere Amortisationszeit als erwartet17,81 %
Konflikte mit Nachbarn/Miteigentümern11,88 %
Keine dieser Befürchtungen hat sich bewahrheitet11,88 %
Sonstiges0,31 %

Aus der Praxis gelernt: Was Sanierungserfahrene anderen raten

Die wertvollsten Erkenntnisse kommen von denjenigen, die den gesamten Sanierungsprozess bereits durchlaufen haben. Bei der Frage, welchen Rat Hausbesitzende mit Sanierungserfahrung anderen geben würden, sprach sich die Hälfte für gründliches Planen und Angebotsvergleiche aus (50,3 %). Auch eine schrittweise Sanierung wurde häufig empfohlen (33 %), ebenso wie die Einbeziehung einer unabhängigen Energieberatung (28 %). Positiv ist, dass immerhin 20 % der Befragten zum zügigen Handeln raten und die Maßnahmen als lohnend bewerten, während 14 % den Aufwand im Verhältnis zum Nutzen eher kritisch sehen oder nur die dringendsten Maßnahmen empfehlen (17, 5%).

Welchen Rat würden Sie anderen Hausbesitzern zum Thema energetische Sanierung geben? (Zwischen 1 und 3 Antworten möglich)

„Gründlich planen und Angebote vergleichen.”50,31 %
„Lieber schrittweise sanieren als alles auf einmal.“33,44 %
„Einen unabhängigen Energieberater hinzuziehen.“28,44 %
„Sofort anfangen, es lohnt sich in jedem Fall.“20,00 %
„Abwarten, bis die Förderbedingungen besser werden.“19,38 %
„Nur das Nötigste machen, komplette Sanierung lohnt sich nicht.“17,50 %
„Finger weg, der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen.“13,75 %
Keinen davon1,88 %
Sonstiges0,31 %

Kostenbarrieren und Informationsdefizit: Was die Nicht-Sanierende noch zurückhält

Neben den Erkenntnissen derer, die bereits eine energetische Sanierung durchgeführt haben, ist auch die Haltung der Eigentümer:innen interessant, die bislang keine solcher Maßnahmen umgesetzt haben (481 Personen, 60 %). Mit deutlichem Abstand sehen die meisten Nicht-Sanierer:innen (56 %) die hohen Kosten oder eine fehlende Finanzierung als Hindernisgrund für eine energetische Sanierung. Ein Fünftel zweifelt ebenso am wirtschaftlichen Nutzen des Vorgehens, während 17 % unsicher sind, welche Maßnahme oder Technik für ihr Eigentum die richtige und notwendige wäre. Jedoch geben ca. 14 % an, dass ihr Haus bereits auf dem neuesten Standard ist und keine Effizienzsteigerung benötigt.

Was sind die größten Hindernisse, die Sie bisher von einer energetischen Sanierung abgehalten haben? (Zwischen 1 und 3 Antworten möglich)

Zu hohe Kosten/fehlende Finanzierung55,93 %
Zweifel am wirtschaftlichen Nutzen19,96 %
Unsicherheit über die richtige Technik/Maßnahmen18,30 %
Bürokratische Hürden14,55 %
Mein Haus ist auf dem neuesten Standard14,14 %
Unübersichtliche Förderlandschaft13,93 %
Technische Einschränkungen am Gebäude11,02 %
Mangel an verfügbaren Handwerkern10,40 %
Befürchtete Belastung durch Bauarbeiten9,56 %
Sonstiges1,25 %

Auch die unübersichtliche Förderlandschaft wird von 13,9 % als derzeitiges Sanierungshindernis aufgeführt. Bei der Frage nach dem Informationsstand zu verschiedenen Fördermöglichkeiten zeigt sich hierzu auch ein gemischtes Bild: Etwa 45 % der Befragten fühlt sich nur „teils, teils“ informiert, während sogar ein Drittel angibt, sich eher schlecht oder sehr schlecht auszukennen. Ein Viertel der Befragten beurteilt das anders: 16 % fühlen sich eher gut informiert und 4 % sagen von sich, dass sie sich sehr gut zu den Angeboten informiert fühlen.

Wie gut fühlen Sie sich über die Möglichkeiten und Förderungen für energetische Sanierungen informiert?

Teils/teils45,19 %
Eher schlecht informiert24,97 %
Eher gut informiert16,23 %
Sehr schlecht informiert9,36 %
Sehr gut informiert4,24 %

Mehr Geld vom Staat, weniger Risiko: Was Eigentümer:innen wirklich überzeugen würde

Um noch skeptische Hausbesitzende für eine energetische Sanierung zu gewinnen, wurden von ihnen verschiedene Motivatoren genannt: An erster Stelle steht eine höhere staatliche Förderung (32,6 %), gefolgt von der Gewissheit, tatsächlich Energiekosten einzusparen (21 %) sowie sinkenden Handwerker- und Materialkosten (17,5 %). Bemerkenswert ist, dass vor allem finanzielle Faktoren als Hindernis wahrgenommen werden und nicht etwa eine mangelnde Bereitschaft zum Umwelt- und Ressourcenschutz.

Was würde Sie am ehesten motivieren, eine energetische Sanierung durchzuführen?

Höhere staatliche Förderungen32,64 %
Garantierte Energiekosteneinsparungen20,58 %
Sinkende Handwerker- und Materialkosten17,46 %
Bessere Beratung und Unterstützung9,15 %
Gesetzliche Verpflichtung6,86 %
Vereinfachte Antragsverfahren6,03 %
Erfolgsgeschichten aus dem Bekanntenkreis3,74 %
Sonstiges3,53 %

Die Nicht-Sanier:innen sind der Auffassung, dass sinkende Kosten für Materialien und Handwerksleistungen sowie deutliche höhere Förderungen die zwei wichtigsten Punkte sind (45,4 % und 44,6 %), die sich verbessern müssten, um mehr Personen zur energetischen Sanierung zu animieren.

Was müsste sich Ihrer Meinung nach grundlegend ändern, damit mehr Hausbesitzer energetisch sanieren? (Zwischen 1 und 3 Antworten möglich)

Sinkende Kosten für Materialien und Handwerkerleistungen45,44 %
Deutlich höhere Förderungen und finanzielle Anreize44,57 %
Einfachere und transparentere Förderprogramme34,08 %
Bessere Verfügbarkeit qualifizierter Handwerker26,22 %
Mehr Aufklärung über den tatsächlichen Nutzen22,97 %
Mehr Beratung und Unterstützung im gesamten Prozess22,60 %
Wenn es zur Pflicht wird12,61 %
Sonstiges1,50 %

Unentschlossen in die Zukunft: 23 % tendieren zur Sanierung, 11 % dagegen

Der Blick in die Zukunft offenbart eine durchwachsene Einstellung: Ein Drittel (33,7 %) ist unentschlossen, ob sie in den nächsten fünf Jahren eine energetische Sanierung durchführen werden. Eine Gruppe von 22,7 % tendiert eher zu "nein", und etwa 11 % der befragten Nicht-Sanierer:innen sprechen sich definitiv gegen die Maßnahme in naher Zukunft aus. Dem gegenüber stehen diejenigen 10 %, die in den nächsten 5 Jahren eine Sanierung definitiv planen und 23 %, die mit „eher ja“ die Frage für sich beantworten können.

Planen Sie in den nächsten 5 Jahren eine energetische Sanierung Ihres Eigenheims?

Unentschieden33,68 %
Eher ja22,87 %
Eher nein22,66 %
Definitiv nicht11,23 %
Ja, definitiv9,56 %

Fazit: Energetische Sanierung zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Die Umfrage verdeutlicht: Energetische Sanierungen scheitern primär an finanziellen Hürden und bürokratischen Erschwernissen. Während Personen mit Erfahrung im Bereich der Sanierung zu gründlicher Planung und Fachberatung raten, wünschen sich noch Zögernde vor allem höhere Förderungen, Kostensicherheit und bezahlbares Handwerkspersonal. Finanzielle Unsicherheiten und komplexe Förderlandschaften halten also aktuell viele Hausbesitzer:innen noch zurück.

Der Schlüssel für mehr Sanierungsbereitschaft könnte in neuen staatlichen Förderungen, vereinfachten Antragsverfahren und individuellen Fachberatungen liegen. Denn die Bereitschaft zum umweltbewussten Handeln ist bei Vielen da, sie braucht allerdings unterstützende Rahmenbedingungen, um sich zu entfalten.


Methodik

Die von toom Baumarkt beauftragte Befragung fand vom 19. - 26. Mai 2025 deutschlandweit über die Marktforschungsplattform Appinio statt. Insgesamt wurden 801 Personen zwischen 30 und 99 Jahren befragt, die Hauseigentümer:innen sind. Das Durchschnittsalter der Befragten liegt bei 45,6 Jahren. Unter den Teilnehmenden befanden sich 400 Frauen und 401 Männer. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, sondern zeigt ein Stimmungsbild einer Schnittmenge auf. 

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