Dass Gärtner und Gärtnerinnen Pflanzen und Bäume veredeln, hast du sicher schon einmal gehört: Sie verbinden zwei Gehölze zu einer einzigen Pflanze. Doch ist das nicht eine hohe Kunst des Gärtnerns, die Profis vorbehalten ist? Tatsächlich können auch Hobbygärtner ihre Obstbäume recht einfach veredeln. Wie das geht und warum das Veredeln von Pflanzen überhaupt sinnvoll ist, erfährst du in diesem Ratgeber von toom Baumarkt.


Was versteht man unter der Veredelung eines Baumes?

„Bäume veredeln“ oder „veredeltes Gemüse“ – das klingt, als ob sich die Qualität der Pflanzen mit dieser Methode erhöhen lässt. Und tatsächlich vereinen veredelte Bäume die besten Eigenschaften zweier Baumarten. Die Veredelung von Bäumen wird als Sonderfall der vegetativen Vermehrung – also der Pflanzenvermehrung durch Zellteilung mit Stecklingen oder Ablegern – bezeichnet. Es handelt sich dabei um das Klonen der Mutterpflanze, wobei zwei Gehölze miteinander verbunden werden und ihre Eigenschaften sich ergänzen. Neue Sorten werden auf diese Weise jedoch nicht gezüchtet, dies kann lediglich durch Samen erfolgen.

Bereits in der Antike und im Mittelalter wurden Obstbäume veredelt. In der freien Natur kann es auch zu natürlicher Veredelung kommen, wenn Wurzeln oder Äste von benachbarten Bäumen zusammenwachsen. Wer einen Obstbaum im Handel erwirbt, bekommt in der Regel ein veredeltes Stämmchen.

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Gründe für das Veredeln von Bäumen

Neben der eigentlichen Vermehrung dient die Veredelung von Obstbäumen vor allem zur Erhaltung bestimmter Sorten. Wer Obst durch Aussaat vermehren möchte, erhält meist keine sortenechten Pflanzen und Früchte, da bei der generativen Vermehrung durch Samen das Erbgut beider Elternpflanzen vermischt wird.

Die Kombination verschiedener Eigenschaften der verwendeten Bäume kann sich positiv auf die Pflanzung, Pflege und Ernte im Obstgarten auswirken. Durch Veredelung lässt sich z. B. ein Obstbaum auf einem Untergrund kultivieren, der für ihn eigentlich ungeeignet ist. Ein sonst zu üppiger Obstbaum kann durch Veredelung einen kleineren Wuchs erhalten – praktisch für kleine Gärten.

Die Gründe für das Veredeln von Obstbäumen im Überblick:

  • sortenechte Vermehrung
  • frühere Ernte als bei der Vermehrung durch Aussaat
  • Kombination aus den gewünschten Wuchs- und Sorteneigenschaften
  • gesteigerte Resistenz gegen Krankheiten und Schädlinge
  • bei älteren Obstbäumen können verschiedene Fruchtsorten aufgepfropft werden
  • schlecht tragende Obstbäume können durch Veredeln mehr Früchte bilden

Welche Bäume kann man miteinander veredeln?

Doch nicht alle Bäume kann man untereinander veredeln. Je enger die Verwandtschaft der beiden Sorten ist, desto höher sind die Chancen auf eine erfolgreiche Veredelung. So solltest du stets nur Baumobst derselben Pflanzenart miteinander veredeln.

Beispiele für erfolgversprechende Veredelungen:

  • Apfel auf Apfel
  • Birne auf Quitte
  • Quitte auf Weißdorn
  • Kirsche auf Kirsche

Tipp: Bist du dir unsicher, welche Bäume sich für eine Veredelung eignen, lass dich dazu im Fachhandel oder einer Baumschule beraten. Dort bekommst du auch gleich die passenden Gehölze für die Veredelung.


So kannst du Obstbäume veredeln

Um Obstbäume zu veredeln, also zwei Pflanzen zu einer werden zu lassen, gibt es verschiedene Methoden und damit einhergehend auch verschiedene Zeitpunkte im Jahr. Damit die Veredelung gelingt, solltest du dich an die folgenden Tipps zur Veredelung von Obstbäumen halten:

  • Informiere dich vorab über gut passende Gehölzpartner.
  • Bereite Triebe und anderes Material vor und desinfiziere deine Messer.
  • Übe den Veredelungsschnitt vorher an Weidenzweigen, damit er beim ersten Versuch am Obstbaum klappt.
  • Berühre keinesfalls die Schnittstellen.

Das brauchst du

Ein veredelter Obstbaum besteht aus zwei Teilen: der Unterlage und dem Edelreis bzw. dem Edelauge. Die Unterlage ist ein Stammstück inklusive Wurzel. Sie ist für die Wuchseigenschaften des veredelten Baumes verantwortlich. Die Edelsorte ist je nach Veredelungsmethode ein Triebstück (Edelreis) oder eine Knospe (Edelauge). Aus ihr erwachsen Stamm, Krone und Früchte. Durch die Kombination von Unterlage und Edelreis werden die gewünschten Sorten- und Wuchseigenschaften miteinander verbunden.

Als Unterlage wählst du einen Baum, der in seinen Wuchseigenschaften zu deinem Boden, dem Standort und der gewünschten Baumgröße passt. Demnach können Unterlagen schwach-, mittel- oder starkwüchsige Sorten sein. Sie werden entweder aus Samen gezogen oder über Steckhölzer vermehrt. Auch Wildsämlinge können als Unterlage dienen, doch da die Eigenschaften hier meist unbekannt sind, werden gezüchtete Pflanzen bevorzugt. Kaufen kannst du Unterlagen als wurzelnackte Stämmchen – zum Beispiel in Baumschulen.

Als Edelreis wählst du die Obstsorte, deren Früchte du später ernten möchtest. Bei diesem Gehölzschnitt werden einjährige, etwa bleistiftdicke Triebe vom Baum abgeschnitten. Sie sollten gesund und unverzweigt sein. Edelreiser schneidest du am besten bereits im Winter und lagerst sie bis zur Veredelung in einer Tüte oder einem feuchten Tuch im Kühlschrank. Schneidest du Edelreiser im April, musst du sie direkt zur Veredelung verwenden. Hast du keine Mutterpflanze für einen entsprechenden Trieb zur Verfügung, kannst du Edelreiser auch kaufen – ebenfalls am besten in einer Baumschule.

Als Werkzeug für die Baumveredelung empfehlen sich spezielle Veredelungsmesser, die sich je nach Veredelungsmethode unterscheiden. Sogenannte Kopulier- oder Okuliermesser sind sehr scharfe und konkret für die Anforderungen einer Veredelung hergestellte Messer. Sie sollten vor der Verwendung unbedingt desinfiziert werden, um die Schnittstellen rein zu halten. Bei stärkeren Trieben benötigst du für das Abtrennen unter Umständen zusätzlich eine Astschere oder Baumsäge. Weitere Materialien für die Veredelung sind Veredelungsband, -gummi oder -bast sowie Baumwachs zum Verschließen der Wunden.

Die verschiedenen Methoden

Nachfolgend stellen wir dir die unterschiedlichen Methoden zur Baumveredelung vor. Die wohl bekannteste Methode ist die Kopulation, bei der Unterlage und Edelreis an einer großflächigen Schnittstelle aufeinandergepresst und zusammengebunden werden. So wird das Stämmchen der Unterlage um den Trieb der Edelsorte erweitert bzw. verlängert. Für Hobbygärtner eignen sich Kopulation und Okulation am besten, da diese beiden Verfahren nicht allzu anspruchsvoll sind.

Ein Überblick über die Veredelungsmethoden für Obstbäume und deren Merkmale:

Kopulation: Veredelung mittels Trieb

  • Unterlage und Edelreis müssen denselben Durchmesser haben.
  • Kürze die Unterlage auf etwa 15–20 cm ein.
  • Kürze das Edelreis auf 4–5 Knospen ein.
  • Schneide Unterlage und Edelreis sehr schräg an, sodass die Schnittfläche möglichst groß ist.
  • Im Idealfall befindet sich jeweils auf der Rückseite der angeschnittenen Fläche ein Auge.
  • Die etwa 4 cm langen Schnittstellen von Unterlage und Edelreis müssen genau aufeinanderpassen.
  • Lege die Schnittstellen von Unterlage und Edelreis aufeinander und fixiere sie mit Veredelungsband, -gummi oder Bast.
  • Bei Veredelungsgummi und Bast solltest du zusätzlich etwas Baumwachs auftragen.
  • Das veredelte Bäumchen kann im Frühjahr direkt ins Beet gesetzt werden oder bis nach dem Frost in einer Kiste mit lockerer Erde überwintern.

Okulation: Veredelung mittels Auge

  • Schneide aus dem Edelreis ein Auge heraus (flach unter dem Auge hindurchschneiden, inklusive Blattstiel etwa 2–4 cm).
  • Die Unterlage ritzt du T-förmig ein, zuerst mit einem waagerechten und anschließend mit einem senkrechten Schnitt.
  • Mit dem Okulationsmesser löst du vorsichtig die Rinde.
  • Das vorbereitete Auge schiebst du nun in die gelöste Rinde ein. Drücke hierzu die Knospe vorsichtig nach unten in den Schnitt.
  • Umschließe den Schnitt mit Veredelungsband, -gummi oder Bast, aber lasse das Auge frei.
  • Zeigt sich im Frühjahr ein Neuaustrieb, kürzt du die Unterlage unmittelbar über der Veredelungsstelle ein und entfernst außerdem wilde Triebe.

Geißfußveredelung

Dieses Verfahren bietet sich an, wenn das Edelreis deutlich dünner ist als die Unterlage. Es wird auch als „seitliches Einspitzen” bezeichnet. Hierbei wird das angespitzte Edelreis in die keilförmig eingeschnittene Unterlage geschoben und anschließend verschlossen.

Chip-Veredelung

Bei der Plattenokulation, wie dieses Verfahren auch genannt wird, wird ein Auge mit Holzanteil geschnitten und auf die Unterlage veredelt.

Anplatten

Die Vorgehensweise beim Anplatten ist vergleichbar mit der Kopulation – jedoch sind Unterlage und Edelreis hierbei unterschiedlich dick.

Pfropfen

Mit dem Pfropfen lässt sich der Ertrag bereits veredelter Obstbäume erhöhen. Schneide die Edelreiser wie bei der Kopulation schräg an. Die Unterlage kürzt du auf die gewünschte Länge ein und schneidest die Rinde der Unterlage so weit ein, wie der Kopulationsschnitt lang ist. Schiebe anschließend das Edelreis in die entstandene Tasche und verbinde die Veredelungsstelle anschließend.

Tipp: Entferne Knospen und Blüten vom Edelreis, damit du im laufenden Jahr weniger Arbeit bei der Gartenpflege hast. Der neue Austrieb lohnt erst im Folgejahr.


Zeitpunkt zum Veredeln von Bäumen

Der richtige Zeitpunkt zum Veredeln von Obstbäumen hängt von der gewählten Methode und der Obstsorte ab. Der Zeitpunkt sollte in jedem Fall so gewählt werden, dass es bei der Veredelung nicht regnet, denn Regen fördert das Eindringen von Schädlingen oder Krankheiten in die frischen Wunden der Triebe. Für Kopulation, Geißfußveredelung und Anplatten eignen sich Spätwinter oder Frühjahr am besten – bewährt hat sich der Januar, wenn Unterlage und Edelreis noch in der Winterruhe sind. Eine Veredelung mittels Okulation führst du am besten im späten Frühjahr oder Sommer durch. Die einzige Veredelungsmethode, die ganzjährig problemlos funktioniert, ist die Chip-Veredelung.


Fazit: Bäume veredeln für Hobbygärtner

Das Veredeln von Bäumen ist gar nicht so kompliziert, wie viele denken. Auch als Hobbygärtner hast du gute Chancen, einen Obstbaum im eigenen Garten zu veredeln. Ob deine Veredelung erfolgreich war, erkennst du am Neuaustrieb im Frühjahr. Früchte wird dein Obstbaum etwa ab dem dritten Jahr tragen.


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