Wenn Kochen und Küchenarbeit zunehmend schwieriger werden, zum Beispiel durch körperliche Einschränkungen, einen Pflegegrad oder mit zunehmendem Alter, kann eine barrierefreie Küche den Alltag deutlich erleichtern. Unterfahrbare Arbeitsflächen, gut erreichbare Geräte und rutschhemmende Böden sorgen für mehr Sicherheit, Komfort und Selbstständigkeit. In diesem Ratgeber erfährst du, für wen sich der Umbau lohnt, worauf du bei der Planung achten solltest und welche Fördermöglichkeiten dir bei der Umsetzung helfen.
Für wen lohnt sich eine barrierefreie oder rollstuhlgerechte Küche?

Die Küche ist in vielen Haushalten das Herzstück des Wohnens. Gerade im Alter oder bei eingeschränkter Mobilität wird dieser Bereich jedoch schnell zur Herausforderung: hohe Oberschränke, feste Arbeitshöhen, rutschige Böden oder schwer erreichbare Geräte können die Selbstständigkeit einschränken und das Unfallrisiko erhöhen. Eine barrierefreie oder rollstuhlgerechte Küche schafft hier entscheidend mehr Sicherheit, Komfort und Lebensqualität im Alltag.
Ein Umbau zu einer barrierefreien oder behindertengerechten Küche lohnt sich für alle, die:
- bereits körperliche Einschränkungen haben (z. B. durch Erkrankung, Unfall oder altersbedingte Mobilitätsverluste),
- einen Pflegegrad besitzen und möglichst lange selbstständig leben möchten,
- ihre Wohnung frühzeitig vorausschauend auf das Alter vorbereiten möchten,
- pflegende Angehörige entlasten wollen.
Dabei ist es wichtig, zwischen einer barrierefreien und einer rollstuhlgerechten Küche zu unterscheiden: Barrierefrei bedeutet, dass die Küche grundsätzlich ohne Hindernisse nutzbar ist, also beispielsweise mit gut erreichbaren Schränken, rutschhemmendem Boden und ausreichend Bewegungsfreiheit. Eine rollstuhlgerechte Küche geht noch einen Schritt weiter: Sie bietet größere Bewegungsflächen (z. B. 150 cm Wendekreis), unterfahrbare Arbeitsbereiche, spezielle Greifhöhen und Geräteanordnungen, die im Sitzen bedient werden können.
Wenn du nicht nur die Küche, sondern deine gesamte Wohnung oder dein Haus zukunftssicher gestalten möchtest, findest du weitere Tipps in unseren Ratgebern:
Gute Planung ist alles: Was eine barrierefreie Küche ausmacht
Eine barrierefreie Küche muss vor allem eines leisten: Sie soll sicher, komfortabel und leicht bedienbar sein. Damit das gelingt, ist eine vorausschauende Planung entscheidend.
Tipp: Wenn du deine barrierefreie Küche planen möchtest, hilft dir die Norm DIN 18040-2 dabei, die wichtigsten Maße und Anforderungen zu berücksichtigen. Ganz egal, ob du im Rollstuhl sitzt, eine Gehhilfe nutzt oder für später vorsorgen willst.
Bewegungsfreiheit sicherstellen
Damit du dich mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe frei bewegen kannst, brauchst du in deiner Küche einen passenden Bewegungsradius:
- Freier Wendekreis von mindestens 150 x 150 cm
- Ausreichend Abstand zwischen den Küchenzeilen (mind. 120 cm)
- Keine Hindernisse im Laufweg oder unterhalb der Arbeitsfläche
Höhen und Reichweiten anpassen
Die empfohlene Arbeitshöhe liegt bei etwa 85 Zentimetern, kann aber je nach Körpergröße variieren. Wenn du im Sitzen arbeiten möchtest oder dir Flexibilität wichtig ist, sind höhenverstellbare Arbeitsflächen eine gute Lösung. So passt sich deine Küche an dich an und nicht umgekehrt. Oberschränke solltest du so montieren, dass du sie ohne Anstrengung erreichst. Die maximale Greifhöhe liegt laut DIN bei 140 bis 150 Zentimetern. Noch besser wird’s mit Schränken, die sich absenken lassen oder sich über Auszüge komfortabel bedienen lassen. Das spart Kraft und macht den Alltag sicherer.
Das musst du beachten:
- Arbeitshöhe individuell anpassen (ca. 80 – 90 cm, idealerweise verstellbar)
- Gerätebedienung, Lichtschalter, Steckdosen in Greifhöhe (ca. 85 – 120 cm)
- Hoch eingebaute Backöfen oder Geschirrspüler auf Augenhöhe einplanen
Unterfahrbarkeit ermöglichen
Wenn du im Sitzen kochst oder spülst, brauchst du unter der Arbeitsfläche ausreichend Beinfreiheit. Unter der Spüle und dem Kochfeld solltest du eine Durchfahrtshöhe von etwa 70 Zentimetern und eine Tiefe von mindestens 60 Zentimetern einplanen.
Für eine flexible Nutzung im Sitzen:
- Spüle und Kochfeld unterfahrbar gestalten (ausreichend Beinfreiheit)
- Unterschränke mit Auszügen oder offenen Bereichen ersetzen
- Flacher Siphon unter der Spüle für maximale Beinfreiheit
Rutschhemmende Böden und schwellenfreier Zugang
Damit auch der Boden Sicherheit bietet:
- Rutschhemmende Beläge wie Vinyl, Kork oder strukturiertes Linoleum
- Schwellenfrei zwischen Küche, Flur und angrenzenden Räumen
- Matte Oberflächen, die auch bei Feuchtigkeit griffig bleiben
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Übersichtliche Struktur schaffen
Eine klare Küchenaufteilung hilft dir bei der Orientierung:
- Kurze Wege zwischen Spüle, Herd und Kühlschrank („Arbeitsdreieck“)
- Häufig genutzte Utensilien in gut erreichbaren Schubladen oder Auszügen
- Logische Anordnung von Geräten, Regalen und Schränken
Beleuchtung und Kontraste beachten

Gutes Licht sorgt für Sicherheit und bessere Sicht:
- Arbeitsflächen blendfrei ausleuchten
- Indirektes Licht für Orientierung, z. B. unter Oberschränken
- Kontraste zwischen Boden, Fronten und Griffen nutzen
Wie du deine Küche optimal beleuchtest und worauf es bei der Lichtplanung ankommt, erfährst du im Ratgeber zur Küchenbeleuchtung.
Küche altersgerecht umbauen: Ausstattung und Möblierung
Die richtige Ausstattung macht deine Küche im Alltag deutlich komfortabler und sicherer. Diese Elemente solltest du bei der Planung berücksichtigen:
Unterschränke mit Vollauszug und Dämpfung
Vollauszüge ermöglichen dir den kompletten Zugriff auf den Schrankinhalt, ohne Bücken oder langes Kramen. Eine Dämpfung sorgt für leises und sicheres Schließen.
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Oberschränke mit Absenkmechanik oder Liftfunktion
Mit Absenk- oder Liftsystemen holst du den Oberschrankinhalt bequem auf Greifhöhe. Das reduziert die Sturzgefahr und erspart dir das Steigen auf Hocker oder Leitern.
Backofen auf Greifhöhe
Ein hoch eingebauter Backofen entlastet deinen Rücken und macht das Hantieren mit heißen Blechen deutlich komfortabler. Für Menschen im Rollstuhl gilt jedoch oft das Gegenteil: Hier ist ein niedriger eingebauter Backofen besser erreichbar und sicherer in der Handhabung. Achte also darauf, dass die Einbauhöhe zu deinen individuellen Bedürfnissen passt.
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Kochfeld mit Sicherheitsfunktionen
Achte auf Geräte mit Sensorsteuerung oder automatischer Abschaltung. So bist du geschützt, falls du beim Kochen einmal abgelenkt wirst.
Einhebelmischer oder berührungslose Armatur
Einhebelarmaturen haben nur einen einzigen Hebel, mit dem du Wassermenge und Temperatur gleichzeitig regelst. Sie lassen sich mit wenig Kraft und nur einer Hand bedienen. Das ist besonders praktisch, wenn du eingeschränkt beweglich bist oder die andere Hand gerade nicht frei hast. Noch komfortabler sind Sensorarmaturen, die ganz ohne Berührung funktionieren.
Smarte Zusatzfunktionen für mehr Sicherheit
Smart-Home-Lösungen erhöhen den Komfort und die Sicherheit erheblich:
- Herdwächter: Schaltet bei Überhitzung automatisch ab
- Sprachsteuerung: Erleichtert das Bedienen von Licht oder Geräten
- Bewegungsmelder: Aktivieren automatisch das Licht, wenn du den Raum betrittst
Rüste die Ausstattungselemente nach oder berücksichtige sie direkt bei der altersgerechten Küchenplanung, je nachdem, ob du deine bestehende Küche anpasst oder komplett neu gestaltest.
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Kosten und Finanzierung: Wer hilft beim Umbau?
Ein barrierefreier Küchenumbau kann je nach Umfang mit spürbaren Kosten verbunden sein, vor allem, wenn du auf unterfahrbare Elemente, hochwertige Auszüge oder smarte Technik setzt. Umso wichtiger ist es, mögliche Förderungen zu kennen und steuerliche Vorteile zu nutzen. So lässt sich der Umbau oft deutlich günstiger realisieren.
Was kostet eine barrierefreie Küche?
Die genauen Kosten hängen davon ab, wie umfangreich der Umbau ist. Einzelne Anpassungen, etwa unterfahrbare Spüle, neue Armaturen oder ein erhöhter Backofen, beginnen bei 1.000 bis 3.000 Euro. Für eine komplette altersgerechte Küche mit neuen Möbeln, Geräten und Einbau solltest du je nach Ausstattung 8.000 bis 15.000 Euro einplanen.
Welche Förderungen gibt es aktuell?

Auch wenn die KfW-Förderung für eine altersgerechte Küche (früher Programm 455-B) 2025 nicht mehr verfügbar ist, gibt es weiterhin Möglichkeiten zur finanziellen Unterstützung:
- Pflegekasse: Je nach Pflegegrad ist bei einer rollstuhlgerechten Küche eine Kostenübernahme durch die Pflegekasse möglich. Wenn du einen anerkannten Pflegegrad hast, kannst du einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro für „wohnumfeldverbessernde Maßnahmen“ beantragen, dazu zählt auch die barrierefreie Umgestaltung der Küche.
- Regionale und kommunale Förderungen: Viele Städte und Landkreise bieten eigene Programme zur Wohnraumanpassung. Ob es in deiner Region Fördermittel gibt, erfährst du bei der Wohnberatung, in Bürgerbüros oder bei Energieversorgern.
- Steuerliche Vorteile: Handwerkerkosten für Umbauarbeiten in der Küche kannst du in der Steuererklärung mit bis zu 20 Prozent der Lohnkosten (max. 1.200 Euro pro Jahr) geltend machen. Wichtig ist, dass du eine ordentliche Rechnung bekommst und per Überweisung oder Karte zahlst.
Tipp: Kombiniere verschiedene Förderwege, zum Beispiel Zuschüsse der Pflegekasse mit steuerlicher Absetzbarkeit. So kannst du einen großen Teil der Umbaukosten abfedern, ohne auf Funktion und Komfort zu verzichten.
Weitere Informationen zu aktuellen Fördermöglichkeiten findest du in unserem Ratgeber „Wohnung und Haus altersgerecht umbauen: Zuschuss und Förderung“. Wir erklären dir Schritt für Schritt, welche Optionen es gibt und wie du sie beantragst.
Schritt für Schritt: So gelingt der Umbau zu einer barrierefreien Küche
Ein barrierefreier Küchenumbau muss nicht kompliziert sein, wenn du strukturiert vorgehst und deine Planung auf deine individuellen Bedürfnisse abstimmst. So gestaltest du eine Küche, die dir den Alltag spürbar erleichtert und langfristig Komfort und Sicherheit bietet.
Schritt 1: Ist-Situation analysieren
Bevor du loslegst, solltest du dir einen genauen Überblick verschaffen: Wo liegen die Probleme in deiner aktuellen Küche? Gibt es Engstellen, schwer erreichbare Schränke oder unpraktische Höhen? Auch der Zustand von Boden, Beleuchtung und Elektrogeräten spielt eine Rolle.
Schritt 2: Eigene Bedürfnisse klären
Überlege, welche Einschränkungen du aktuell hast oder in Zukunft haben könntest. Arbeitest du oft im Sitzen? Hast du Mühe, dich zu bücken oder über Kopf zu greifen? Je klarer du deine Anforderungen kennst, desto gezielter kannst du planen.
Schritt 3: Beratung einholen
Nutze die Erfahrung von Fachleuten. Wohnberatungen, Küchenplaner oder auch Architekturbüros können dir helfen, eine durchdachte Lösung zu finden. Sie wissen, welche Normen gelten, wo Stolperfallen lauern und welche Möglichkeiten es gibt, bestehende Küchen nachzurüsten.
Schritt 4: Passende Komponenten auswählen
Wähle Möbelelemente, Geräte und Materialien, die zu deinem Alltag passen. Wichtig sind unter anderem: Auszüge statt Schränke, unterfahrbare Bereiche, griffige Böden, gut lesbare Bedienfelder und intuitive Technik.
Schritt 5: Umbau professionell umsetzen lassen
Gerade bei Elektroarbeiten oder dem Einbau von Küchengeräten solltest du auf Fachbetriebe setzen. Wenn du Unterstützung brauchst, kannst du den toom Handwerksservice nutzen. Dieser vermittelt dir geprüfte Handwerker für die Umsetzung deines Projekts.
Checkliste für die barrierefreie Küche: Hast du an alles gedacht?
Mit dieser Checkliste behältst du den Überblick bei der Planung und Umsetzung. Sie hilft dir dabei, alle wichtigen Anforderungen an eine barrierefreie Küche Schritt für Schritt zu prüfen.
- Freier Wendekreis von mindestens 150 cm
- Höhenverstellbare oder individuell angepasste Arbeitsflächen
- Unterfahrbare Spüle und Kochstelle (mind. 70 cm hoch, 60 cm tief)
- Geräte auf Greifhöhe eingebaut (z. B. Backofen, Mikrowelle)
- Einfache und intuitive Bedienung aller Geräte (z. B. Einhebelarmatur, Sensorsteuerung)
- Auszüge statt Drehtüren für Unterschränke (mit Dämpfung)
- Gut erreichbare Steckdosen, Schalter und Lichtquellen (in Greifhöhe: 85 – 120 cm)
- Rutschhemmender und pflegeleichter Bodenbelag (z. B. Vinyl, Kork)
- Ausreichende, blendfreie Beleuchtung aller Arbeitsbereiche
- Kontrastreiche Gestaltung für bessere Orientierung (z. B. Fronten, Griffe, Boden/Wand)
- Schwellenfreier Zugang zur Küche
- Smarte Sicherheitstechnik (z. B. Herdabschaltung, Bewegungsmelder, Herdwächter)
- Fördermöglichkeiten geprüft und ggf. bereits beantragt
- Umbau von Fachbetrieb geplant oder begleitet
- Wartung und Nachrüstoptionen mitgedacht
Wenn du Schritt für Schritt vorgehst, vermeidest du teure Fehlplanungen und sorgst dafür, dass deine Küche nicht nur funktional, sondern auch zukunftssicher wird.
Häufig gestellte Fragen zur barrierefreien Küche
Was ist der Unterschied zwischen einer rollstuhlgerechten und einer barrierefreien Küche
Barrierefrei bedeutet: ohne Hindernisse nutzbar, zum Beispiel mit gut erreichbaren Arbeitsbereichen und rutschfestem Boden. Rollstuhlgerecht geht einen Schritt weiter und berücksichtigt zusätzliche Anforderungen wie größere Bewegungsflächen und unterfahrbare Bereiche.
Wie groß muss der Platz in einer barrierefreien Küche sein?
Der zentrale Bewegungsbereich sollte mindestens 150 x 150 cm betragen, damit du dich mit einem Rollstuhl oder einer Gehhilfe sicher wenden kannst.
Muss ich meine ganze Küche für die Barrierefreiheit austauschen?
Nicht unbedingt. Oft lassen sich bestehende Küchen durch einzelne Maßnahmen wie höhenangepasste Arbeitsflächen, neue Auszüge oder unterfahrbare Elemente nachrüsten.
Gibt es Fördergelder für barrierefreie Küchen?
Ja, zum Beispiel über die Pflegekasse (bis zu 4.000 € bei Pflegegrad) oder regionale Programme. Auch Handwerkerleistungen kannst du steuerlich absetzen. Mehr dazu im erfährts du im Ratgeber zu Förderung für den altersgerechten Umbau.
Wie finde ich heraus, ob sich meine Küche altersgerecht umbauen lässt?
Lass dich von einer Wohnberatung, einem Küchenplaner oder einem Handwerksbetrieb beraten. Eine erste Einschätzung kannst du auch selbst treffen – mit unserer Checkliste für barrierefreie Küchen.

























