Holz drechseln

Drechseln ist ein kreatives Handwerk, bei dem überwiegend Holz auf kunstvolle Weise bearbeitet wird. Aber auch für Horn, Speckstein, Elfenbein oder Kunststoffe ist das Verfahren einsetzbar. Holz zu drechseln will gelernt sein! Bei toom Baumarkt erfährst du deshalb, was du beim Drechseln beachten solltest und wie du die schönsten Ergebnisse erzielst.


Wie drechselt man?

Handwerker drechselt Schale

Das Drechseln zählt zu den spanabhebenden Oberflächenbearbeitungen. Das zum Drechseln verwendete Gerät wird als „Drechselbank“ oder Holzdrehmaschine bezeichnet. Mit ihm kannst du rotationssymmetrische Werkstücke aus Holz und Holzwerkstoffen herstellen. Im Gegensatz zu anderen Bearbeitungsarten rotiert beim Drechseln das Werkstück, während das Bearbeitungswerkzeug, der Drechselstahl, mit der Hand am Werkstück entlanggeführt wird – in Längsrichtung oder Querrichtung oder einer Kombination aus beiden Richtungen. Der Vorgang des Drechselns entspricht also prinzipiell dem Drehen von Metall auf der Drehmaschine („Drehbank“).

Das kreative Drechselhandwerk ermöglicht es dir, sowohl kunstgewerbliche Gegenstände als auch Werkstücke für die allgemeine Verwendung herzustellen. Befriedigende Arbeitsergebnisse setzen allerdings einiges an Geschick und Praxiskenntnissen voraus. Diese kannst du dir zum Beispiel in entsprechenden Heimwerkerseminaren aneignen.

Entdecke unsere Hobel & Beitel im toom Onlineshop.Zum Shop

Schneidwerkzeuge zum Drechseln von Holz

Die Schneidwerkzeuge zum Drechseln werden als Drechselstähle oder Handdrehstähle bezeichnet. Ihr Anschliff und die Schneidenform richten sich nach der jeweiligen Holzart und der Bearbeitungsweise des Werkstücks. Die Preisspanne ist bei Drechselstählen weit gefächert. Wie üblich sind die Anschaffungskosten für qualitativ hochwertige Werkzeuge etwas höher. Auf lange Sicht spart eine bessere Qualität aber auch Kosten, denn hochwertige Schneiden nutzen sich nicht so schnell ab.

Tipp: Du kannst Drechselstähle sogar selbst herstellen. Hierzu eignen sich hervorragend alte, bereits abgenutzte Feilen. Diese schleifst du entsprechend zu – achte jedoch darauf, dass sie beim Schleifen gekühlt werden, damit sie nicht ausglühen und ihre Härte verlieren.


Drechselstähle regelmäßig nachschleifen

Spätestens wenn die Schneide abgestumpft ist, muss nachgeschärft werden, wobei es zum Erzielen einer hohen Schärfe grundsätzlich notwendig ist, die Schneide nach dem Schärfen nochmals auf einem Abziehstein abzuziehen, also den Grat zu entfernen, der sich beim Schleifen bildet. Hierbei hast du die Wahl zwischen Abziehsteinen mit harter und weicher Bindung. Je weicher die Bindung, desto hochwertiger fällt die Schärfe aus, die Stähle nutzen dann aber auch schneller ab. Beim Abziehen entsteht mit der Zeit eine Delle auf dem Abziehstein. Flache Drechselstähle können dann nicht mehr abgezogen werden. Deshalb muss der Abziehstein mit einem anderen Abziehstein härterer Bindung wieder plangeschliffen werden.


Welches Holz zum Drechseln?

Verschiedene aufeinander gestapelte Holzbretter

Vor Arbeitsbeginn musst du das zu drechselnde Holz auswählen und vorbereiten. Dabei stellt sich die Frage, welches Holz sich am besten zum Drechseln eignet. Als Faustregel gilt: Holz, das bereits Trockenrisse hat, kann nicht mehr bearbeitet werden. Bereits abgelagertes Holz hat den Vorteil, dass keine nachträglichen Trocknungsrisse mehr entstehen können. Nachteilig ist, dass das Drechseln von trockenem Holz eine etwas geringere Oberflächengüte ergibt, wodurch die nachträgliche Feinbearbeitung aufwendiger wird. Feuchtes, also noch frisches Holz lässt sich leichter drechseln und ergibt eine bessere Oberflächengüte. Allerdings können bei der anschließenden Trocknung wiederum Risse im fertigen Werkstück auftreten. Am besten wässerst du trockenes Holz kurz vor der Bearbeitung – so drechselt es sich leichter.

Grundsätzlich kannst du alle Holzarten zum Drechseln verwenden. Doch weiches Holz ist meist schwieriger zu verarbeiten. Kleine Fehler sind sofort sichtbar. Für den Anfang eignen sich daher eher harte Hölzer wie Kiefer, Esche, Edelkastanie, Walnuss oder Ahorn. Fortgeschrittene greifen gern zu Eibe, Rotbuche oder exotischen Hölzern wie Olive oder Mahagoni.


Richtig drechseln: So geht’s

Mann drechselt Holz

Grundsätzlich sollten die ersten Drechselversuche unter Anleitung erfolgen. Nur so kannst du die richtige Haltung der Handdrehstähle und das Einstellen der passenden Drehzahl richtig erlernen. Besuche dazu am besten einen entsprechenden Handwerkskurs. Enge Kleidung ist beim Drechseln von Holz wichtig, außerdem solltest du keine Handschuhe tragen. Diese könnten vom rotierenden Werkstück erfasst werden und so zu Verletzungen führen. Da bei der Arbeit Späne herumfliegen, ist eine Schutzbrille unerlässlich. Zudem muss die Stahlauflage so dicht am Werkstück wie möglich eingestellt werden.

Beim Drechseln gibt es vier typische Arbeitsvorgänge:

  • Schruppen: Schruppen ist eine grobe Bearbeitungsform, mit der das Werkstück vorbearbeitet wird. Hierzu werden röhrenförmige oder abgerundete Werkzeuge verwendet.
  • Ausdrehen: Durch Ausdrehen lassen sich konkave Wölbungen und Aushöhlungen im Werkstück erzeugen, wobei die Formgebung des Handdrehstahls meist individuell erfolgt.
  • Stechen: Mit Einstechstählen werden Werkstücke genutet, mit Abstechstählen auf die vorgesehene Länge „abgestochen“, also abgedreht.
  • Schlichten: Hiermit ist die Feinbearbeitung des Werkstücks gemeint. Die Werkzeugschneide ist hierzu gerade, schräg oder gerundet und oft beidseitig geschliffen.

Die Vorschubrichtung ist beim Drechseln stets gegen die Antriebsseite der Drechselbank gerichtet, weil hier die Mitnahme des Werkstückes erfolgt. Gegen sie muss der Anpressdruck gerichtet sein.


Drechsel-Tipps für den Anfang

Holzschale wird gedrechselt

Wie du siehst, ist fürs Drechseln viel Technik und Know-how nötig. Gerade am Anfang ist dieses kunstvolle Handwerk gar nicht so leicht auszuführen. Die folgenden Tipps helfen dir, gute erste Ergebnisse zu erzielen.

Die Stellung der Drechselstähle

Welche Stellung des Drehstahls du wählen solltest, hängt immer vom Holztyp ab. Bei weichen Hölzern kann eine positivere Stahlstellung günstiger sein, bei härteren Hölzern eine weniger positive bis neutrale. Grundsätzlich wird zwischen Längs- und Querdrechseln unterschieden.

Beim Längsdrechseln liegen die Fasern parallel zur Drehachse. Am Umfang des Werkstücks zeigt sich Langholz (bei Rundlingen wie beispielsweise Astabschnitten) oder wechselweise Lang- und Querholz (bei Kanthölzern), an der Stirnseite dagegen immer Hirnholz. Rundlinge aus Stamm- und Astabschnitten können direkt bearbeitet werden. Bei Kanthölzern ab ca. 40 mm Kantenlänge müssen die Kanten vor dem Drechseln gebrochen werden (zum Beispiel durch Hobeln).

Beim Querdrechseln liegen die Fasern quer zur Längsachse. Am Umfang des Werkstückes zeigt sich im Wechsel Hirnholz und Langholz, an der Flachseite dagegen immer Querholz. Am besten eignen sich zum Querdrechseln Seitenbretter, da sie bei großflächigen Werkstücken durch ihre lebhafte Maserung besonders dekorativ wirken. Meist wird das Werkstück nur einseitig gespannt. Beim Bearbeiten der gegenüberliegenden Seite muss es deshalb auf der bereits bearbeiteten Seite gespannt werden. Dies ist bei komplex geformten Werkstücken oft nicht ohne Weiteres möglich. Hier bewährt es sich, das Werkstück auf ein Hilfsteil aufzukleben, das dann seinerseits auf die Drechselmaschine gespannt wird.


Drechsel-Tipps zur Feinbearbeitung

Feinbearbeitung von gedrechseltem Holzstab

Ist die grobe Drechselarbeit getan, folgt die Feinbearbeitung. Hierfür werden die gedrechselten Oberflächen meist mit Schleifpapier feinster Körnung am rotierenden Werkstück nachbearbeitet. Ebenso am rotierenden Werkstück kann gegebenenfalls eine Politur erfolgen. So entsteht ein gleichmäßiges, ansehnliches Ergebnis.


Holz nach dem Drechseln trocknen

Trockenes und gerissenes Holz

Hast du feuchtes Holz an der Drechselbank bearbeitet, besteht immer die Gefahr von Trockenrissen. Diese Risse entstehen meist am Rand bzw. Umfang, weil die Verdunstung der Restfeuchte stets von der Oberfläche her stattfindet. Das Holz schwindet deshalb in diesem Bereich stärker als im Innern. Der Spannungsausgleich erfolgt durch das Reißen des Holzes. Das fertige, aus feuchtem oder frischem Holz gedrechselte Werkstück sollte deshalb in einer Klimakammer langsam und kontrolliert getrocknet werden.

In deiner Heimwerkstatt hast du vermutlich keine Klimakammer – deshalb hat sich für diesen Zweck ein weniger aufwendiges Trocknungsverfahren bewährt. Hierzu sammelst du einfach die frischen bzw. feuchten Drechselspäne in einer Kiste. Nach dem Drechseln bedeckst du das Werkstück mit diesen Spänen und lagerst es so ein. Alle paar Tage solltest du die Späne neu aufmischen. Diese Art der Lagerung wird bis zur endgültigen Trocknung fortgesetzt. Durch das Einlagern in die Späne entsteht um das Werkstück herum ein Mikroklima mit geringem Feuchtigkeitsunterschied, wodurch die Trocknung langsam und rissfrei erfolgen kann. Der Vorgang ist zwar zeitaufwendig, verhindert aber zuverlässig Trocknungsschäden am Werkstück.


Drechseln üben mit einem Drechselvorsatz

In Drechselbank eingespannte Holzschale

Eine kostengünstige Möglichkeit, sich im Drechseln von Holz zu üben, bieten Vorsatzgeräte, die eine Schlagbohrmaschine als Antriebsmotor nutzen. In das Bohrfutter wird ein Mitnehmer gespannt, das Gegenstück im Reitstock ist eine fixe oder mitlaufende Körnerspitze. Den Reitstock und die Stahlauflage kannst du an den Führungssäulen auf die Werkstückdimensionen einstellen.

Als Antriebsmaschine ist eine Schlagbohrmaschine mit mechanischem Zweiganggetriebe und Konstantdrehzahlregelung am geeignetsten. Eine Drehmomentkontrolle ist von Vorteil. Diese kannst du so einstellen, dass die Maschine stehen bleibt, wenn du versehentlich zu tief mit dem Drechselstahl ins Werkstück fährst.

Drechselst du mit niedriger Maschinendrehzahl, achte darauf, dass die Bohrmaschine nicht überhitzt. Zur Kontrolle hältst du deine Hand in die Nähe der Kühlluftauslässe. Bei zu heißer Kühlluft lässt du die Bohrmaschine eine oder zwei Muten ohne Last laufen, damit sie sich wieder abkühlen kann. Mit einem Drechselvorsatz erreichst du nicht dieselbe Arbeitsqualität wie mit einer stationären Drechselmaschine! Er eignet sich jedoch hervorragend zum Üben und für den Einstieg.

Das könnte dich auch interessieren