Möchtest du zwei Werkstoffe miteinander verbinden, stehen dir viele Möglichkeiten zur Verfügung: Du kannst schrauben, kleben, schweißen – oder auch nieten. In diesem Ratgeber von toom Baumarkt erfährst du, wie Nieten funktioniert, was du dafür benötigst und welche Vor- und es mit sich bringt.


Was bedeutet „nieten“ eigentlich genau?

Vereinfacht gesagt bedeutet nieten, dass zwei flache Materialien mit Hilfe eines Niets (oder auch einer Niete) miteinander verbunden werden. Dabei wird der Niet plastisch verformt und presst die Materialien aneinander. Auf diese Weise entsteht die Nietverbindung. Es gibt sowohl verschiedene Nietverfahren als auch unterschiedliche -arten– je nach Werkstoff und Zweck der Nietverbindung.

Viele davon sind für dich als Heimwerker allerdings nicht wichtig, da sie eher in hochspezialisierten Bereichen wie dem Schiff- oder Flugzeugbau gebraucht werden. Deshalb geht toom Baumarkt in diesem Ratgeber vor allem darauf ein, wie du Nieten mit einer Nietzange anbringst und wie du Nieten mit dem Hammer einschlagen kannst.

Generell unterscheidet man zwischen kraftschlüssigen und formschlüssigen Nietverbindungen. Erstere werden warmgeschlagen – das heißt nichts anderes, als dass kraftschlüssige Verbindungen mit Nieten in rotglühendem Zustand gebildet werden. Formschlüssige Verbindungen werden dagegen mit kalten Nieten erzeugt. Für den Heimwerker ist lediglich das kalte Nieten interessant.


Vor- und Nachteile des Nietens

Materialien mit Nieten miteinander zu verbinden, hat einige Vor- und Nachteile, die im Folgenden kurz zusammengefasst sind.

Vorteile:

  • kostengünstig und schnell
  • Bauteile verziehen sich nicht
  • Verbindung ungleicher Werkstoffe möglich
  • ungefährliche Handhabung
  • kann mit bloßem Auge überprüft werden
  • kein schlagartiges Versagen bei Überlastung

Nachteile:

  • zusätzliches Gewicht
  • benötigt Platz
  • Bohrung nötig – das schwächt die Werkstoffe
  • Entfernung des Niets nicht ohne Zerstörung möglich
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Welche Nietverfahren gibt es?

Die drei wichtigsten Nietverfahren sind das Vollnieten, das Blindnieten und das Stanznieten – der Name des jeweiligen Verfahrens richtet sich nach den Nietarten. Die Verbindung durch Vollnieten ist das älteste Nietverfahren, wird aber auch heutzutage immer noch dort eingesetzt, wo die Sicherheit der Verbindung kritisch ist und ein sicherer Sitz der Niete optisch geprüft wird – etwa bei Bauwerken und Flugzeugen. Bei der sogenannten Dauerschwingbelastung gibt es im Grunde keine bessere Verbindungstechnik als das Vollnieten.

Das Blindnieten wird mit einer speziellen Zange bewerkstelligt und hat den Vorteil, dass du nur von einer Seite auf das Werkstück zugreifen musst. Der Blindniet oder auch Popniet ist im Grunde eine Sonderform des Hohlniets. Praktischerweise kannst du bereits mit einfachem und günstigem Nietwerkzeug zuhause Blindnieten setzen.


Rohrniete

Hohlnieten oder Rohrnieten wiederum sind Hülsen, die häufig als Deko eingesetzt werden, da sie nicht so belastbar sind. Lederartikel und Jeans lassen sich beispielsweise gut mit Hohlnieten verzieren. Du kannst Hohlnieten mit dem Hammer einschlagen oder mit einer Zange einsetzen.


Stanznieten

Stanznieten werden vor allem in der Blechbearbeitung verwendet, da hier das Vorbohren eines Lochs entfällt. Stanzen und Verbinden erfolgen in einem Rutsch, die Nietverbindung wird durch ein Spreizen des Niets an der Unterseite erzeugt. Das Stanznieten erfolgt vollautomatisch und ist für Heimwerker eher uninteressant – der Vollständigkeit halber sei es aber an dieser Stelle genannt.


Nieten anbringen: Warum die Werkstoffe wichtig sind

Nieten anbringen

Nieten gibt es nicht nur in unterschiedlichen Ausführungen, sondern auch aus verschiedenen Materialien. Das ist deshalb wichtig, da du das Material des Niets stets passend zum Werkstoff wählen solltest.

Die meisten Nieten bestehen aus Alu. Würdest du damit nun eine Nietverbindung zweier Edelstahlbleche erzeugen wollen, so träfen ein edles und ein unedles Metall direkt aufeinander. Das hätte zur Folge, dass Luftfeuchtigkeit für die sogenannte elektrochemische Korrosion sorgt und die Metalle angreift. In Innenräumen ist das wegen der niedrigen Luftfeuchtigkeit in der Regel kein Problem, in Außenbereichen solltest du diese Kombination aber besser vermeiden.

Mit Schutzlackierungen kannst du hier zwar Abhilfe schaffen; leichter ist es jedoch, direkt die passenden Nieten zu verwenden – also Alunieten für Aluminium, Edelstahlnieten für Edelstahl etc. Das betrifft auch die verschiedenen Werkstoffklassen: Verwende für Edelstahl A2 auch die entsprechenden Nieten und kombiniere es nicht etwa mit Edelstahl A4.


Wie funktioniert eine Nietenzange?

Nietzange

Gerade im Heimwerkerbereich ist die (Blind-)Nietzange dein bester Freund, wenn du eine Nietverbindung herstellen möchtest. Ihre Handhabung ist kinderleicht: Blindnieten bestehen aus der Niethülse und dem sogenannten Dorn. Setzt du das Nietelement in das Bohrloch, musst du nur noch die Zange aufsetzen und mit ihr den Dorn herausziehen. Dabei wird die Hülse auf der Rückseite umgeformt und bildet so den Schließkopf. Dadurch entsteht eine stabile Nietverbindung. Der Rest des Dorns reißt dann an einer Sollbruchstelle ab und wird von der Zange ausgeworfen.

Da die Arbeit mit einer manuellen Nietzange allerdings recht kraftaufwendig ist, ist sie für größere Mengen nicht geschaffen. Für diese Zwecke kannst du zur akku- oder sogar druckluftbetriebenen Nietzange greifen. Diese Geräte sind zwar etwas teurer, dafür aber auch besser für den längeren Einsatz geeignet.

Achte darauf, dass die Zange verschiedene Nietarten und -materialien verarbeiten kann – so stellst du sicher, dass du das richtige Gerät für deine Projekte benutzt. Damit die Werkstücke bei der Bearbeitung nicht verrutschen, empfiehlt es sich außerdem, sie mit Schraubzwingen zu fixieren.

Grundsätzlich ist das Blindnieten mit der Nietzange eher für leichte und dünne Materialien gedacht. Möchtest du dickere Werkstoffe nieten, ist das Vollnieten das bessere Nietverfahren.


Wie funktioniert nieten mit dem Hammer?

Hammer

Das klassische Handnieten ist nicht unbedingt leichter oder besser, kann aber unter Umständen die praktischere Wahl sein, um Nieten zu befestigen. Dafür benötigst du aber auch bestimmtes Werkzeug: Du brauchst einen Hammer, einen Locher oder eine Lochzange, einen Nieter (bestehend aus Setzer und Amboss) sowie eine Gummiunterlage.

  1. Erst einmal musst du das Nietloch schlagen. Du könntest es vorbohren, müsstest es dann allerdings auch entgraten und am besten noch fasen. Genauso gut kannst du es einfach lochen. Lochzangen nutzt du für sehr dünne Materialien, den Locher bei größeren Materialstärken.
  2. Bestimme zunächst die Größe des Schlagkopfes, falls du den Locher benutzt. Dieser muss etwas kleiner sein als der Nietschaft, da sich das Nietloch beim Schlagen noch etwas vergrößert.
  3. Lege dann die Gummiunterlage unter die Werkstücke, markiere die Stelle, die du lochen möchtest und schlage dann mit dem Hammer einmal kräftig auf den senkrecht ausgerichteten Locher.
  4. Nun kannst du die Nieten mit dem Hammer einschlagen: Führe den Niet von der Rückseite durch die Öffnung, lege den kleinen Amboss darunter und setze dann von der Vorderseite das Nietköpfchen auf. Setze den Nieter senkrecht an und schlage einmal kräftig mit dem Hammer mittig auf den Nietkopf.
  5. Im Optimalfall hast du damit eine Nietverbindung hergestellt, da sich der Niet durch den Schlag deformiert und die beiden zu verbindenden Materialien aneinanderpresst.

Diese Arten von Nieten gibt es

Die verschiedenen Arten von Nieten unterscheiden sich sowohl im Nietverfahren, mit dem sie befestigt werden, als auch im Aussehen bzw. ihrer Kopfform. Welche Nieten du verwendest, hängt also zum einen von deinem persönlichen Geschmack ab und zum anderen davon, welches Verfahren für dein Vorhaben am sinnvollsten ist.

Gängige Nietarten sind:

  • Blindnieten
  • Hohlnieten
  • Halbrundkopfnieten: weit verbreitete Vollnieten, häufig bei Brückenkonstruktionen zu sehen; der Kopf sieht ein wenig aus wie ein Pilz
  • Senkkopfnieten: eine Form des Vollnietes, der mit der Oberfläche bündig ist und daher kaum auffällt
  • Flachkopfnieten: sind beinahe bündig, haben aber dafür eine geringere Verbindungskraft
  • Hammerschlagnieten: Blindnieten, bei denen der Nietdorn mit dem Hammer eingetrieben wird

Tipps: Wie nietet man richtig?

Sowohl beim eigentlichen Nietvorgang als auch davor und danach solltest du auf ein paar Dinge achten, damit die Nietverbindung stabil ist und gut aussieht:

  • Durchmesser: Der Durchmesser des Bohrlochs sollte dem des Niets entsprechen. Da das Loch beim manuellen Bohren häufig etwas breiter gerät, kannst du spezielle Nietbohraufsätze benutzen, die etwas kleiner sind als die genormten Nietdurchmesser – so erhältst du die passenden Bohrlöcher.
  • Länge: Der Schaft des Niets sollte etwas länger sein als die Materialdicke.
  • Bohrloch fasen: Damit entgratest du das Bohrloch und verhinderst die Bildung von Spannungsrissen.
  • Gerade arbeiten: Ob Hammer oder Zange – achte darauf, dass du dein Werkzeug gerade hältst, um eine schiefe Nietverbindung zu vermeiden. Die sieht nämlich nicht nur unschön aus, sondern kann auch dafür sorgen, dass die Verbindung schneller bricht.

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