Ratgeber

Energieausweis fürs Haus: Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis?

Eine Hand zeigt auf einen Energieausweis.
Lesezeit 8 Minuten
Inhalt:

Ein Energieausweis ist in Deutschland vor allem dann wichtig, wenn du ein Wohngebäude verkaufen oder vermieten möchtest: Er zeigt, wie energieeffizient das Haus ist und macht Gebäude besser vergleichbar. Dafür gibt es zwei Varianten: den Verbrauchsausweis und den Bedarfsausweis. Beide haben Vor- und Nachteile. Der größte Unterschied liegt in der Art der Datenerhebung. In diesem Ratgeber erfährst du, wann welcher Energieausweis für dein Haus notwendig ist und wie du ihn bekommst.


Was ist ein Energieausweis?

Ein Energieausweis zeigt, wie energieeffizient ein Gebäude ist. Er macht den Energiezustand von Häusern und Wohnungen vergleichbar. Das ist vor allem relevant, wenn das Haus verkauft oder vermietet werden soll. 

Im Ausweis findest du unter anderem eine Energieeffizienzklasse (ähnlich wie bei Haushaltsgeräten) und einen Kennwert, der den Energiebedarf oder -verbrauch pro Quadratmeter anzeigt.


Welche Arten von Energieausweisen gibt es?

Es gibt zwei Varianten: Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis. Beide erfüllen denselben Zweck, unterscheiden sich aber darin, wie der Kennwert ermittelt wird.

Verbrauchsausweis

Der Verbrauchsausweis basiert auf dem tatsächlichen Energieverbrauch des Gebäudes in den letzten drei Jahren. Er wird an den Verbrauchsdaten (z. B. Heizkostenabrechnungen) abgelesen. Der Wert ist also abhängig davon, wie die Bewohner wirklich heizen

Der Verbrauchsausweis zeigt dementsprechend genau an, wie viel Energie tatsächlich genutzt wurde. Gleichzeitig ist er dadurch weniger gut geeignet, um Gebäude unabhängig vom Verhalten miteinander zu vergleichen.

Bedarfsausweis

Beim Bedarfsausweis hingegen spielt das individuelle Heizverhalten keine Rolle. Hier wird der theoretische Energiebedarf des Gebäudes berechnet. Grundlage sind die Gebäudedaten, zum Beispiel Dämmung, Fenster, Bauweise und Heizungsanlage. 

Dieser Ausweis ist objektiver, da er auf standardisierten Berechnungen basiert. Allerdings ist die Genauigkeit abhängig davon, wie vollständig und korrekt die Gebäudedaten aufgenommen werden. 


Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis: Unterschiede im Vergleich

Beide Energieausweise liefern auf den ersten Blick ähnliche Informationen, entstehen aber auf ganz unterschiedliche Weise. In der folgenden Tabelle findest du die wichtigsten Unterschiede zwischen Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis.

Vergleich

VebrauchsausweisBedarfsausweis
DatengrundlageTatsächlicher Energieverbrauch der letzten drei JahreBerechnung des theoretischen Bedarfs auf Basis der Gebäudebeschaffenheit
AussagekraftZeigt den realen Energieverbrauch im AlltagErmöglicht eine objektivere Bewertung der Gebäudequalität
Aufwand bei der ErstellungGeringer, oft ohne Vor-Ort-Termin möglichHöher, meist mit detaillierter Datenerhebung
Kosten (Tendenz)Günstiger, da nur die Verbrauchsdaten benötigt werdenTeurer, da eine technische Analyse notwendig ist
Typische EinsatzfälleVerkauf oder Vermietung mit vorhandenen VerbrauchsdatenNeubauten, unsanierte Altbauten oder als Grundlage für Sanierungen
Gesetzliche VorgabenNur zulässig, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sindIn einigen Fällen verpflichtend

Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis: Wann brauche ich welchen Energieausweis?

Modernes Einfamilienhaus mit Garten
Für Wohngebäude gibt es zwei Arten von Energieausweisen: Verbrauchsausweis und Bedarfsausweis.

Welcher Energieausweis notwendig ist, hängt vor allem vom Baujahr, dem Sanierungsstand und der Art des Gebäudes ab. Geregelt ist das im Gebäudeenergiegesetz (GEG).

Sind Verbrauchs- oder Bedarfsausweis Pflicht?

Du bist verpflichtet, einen gültigen Energieausweis (Verbrauchsausweis oder Bedarfsausweis, je nach Ausgangslage) vorzulegen, sobald du ein Gebäude verkaufen, vermieten oder verpachten möchtest. Schon bei der Besichtigung musst du den Ausweis in Papierform parat haben – die digitale Version ist nicht ausreichend. Ohne Energieausweis drohen dir Bußgelder von bis zu 15.000 Euro.

Wann reicht ein Verbrauchsausweis?

Ein Verbrauchsausweis ist in der Regel zulässig, wenn für das Wohngebäude ausreichende Verbrauchsdaten vorliegen und keine Pflicht zum Bedarfsausweis besteht. Das trifft häufig zu, wenn:

  • das Gebäude nach dem 1. November 1977 errichtet wurde oder
  • ein älteres Gebäude energetisch saniert wurde (entsprechend der Wärmeschutzverordnung)
  • das Wohngebäude mehr als vier Wohneinheiten hat

Auch wenn ein Verbrauchsausweis zulässig ist, kannst du freiwillig einen Bedarfsausweis wählen, zum Beispiel, wenn du eine objektivere Einschätzung der Gebäudequalität möchtest.

Wann ist ein Bedarfsausweis Pflicht?

Ein Bedarfsausweis ist vorgeschrieben, wenn ein Verbrauchsausweis keine ausreichende Aussagekraft hätte oder Verbrauchsdaten fehlen. Das ist vor allem der Fall bei:

  • Neubauten (es liegen noch keine Verbrauchsdaten vor)
  • Wohngebäuden mit bis zu vier Wohneinheiten,
  • die vor dem 1. November 1977 errichtet wurden
  • und nicht energetisch saniert sind

In diesen Fällen ist der Bedarfsausweis ist gesetzlich verpflichtend.

Zwei Personen vor ihrem Haus im Sonnenuntergang.

toom x Fuchs und Eule Energieberatung

Fuchs & Eule bietet persönliche Beratung und einen individuellen Sanierungsfahrplan (iSFP) – und das einfach, kompetent, schnell. Kostenfreies Erstgespräch inklusive.

Zum Service


Woher bekomme ich den Energieausweis?

Bedarfsausweise und Verbrauchsausweise dürfen nur qualifizierte Fachleute erstellen. Dazu gehören:

  • Architekten
  • Ingenieure
  • Energieberater
  • Heizungsbauer oder Fachunternehmen mit einer entsprechenden Qualifikation

Je nachdem, ob du einen Verbrauchsausweis oder einen Bedarfsausweis benötigst, unterscheidet sich der Ablauf.

  • Verbrauchsausweis beantragen: Um einen Verbrauchsausweis zu erhalten, brauchst du die Energieverbrauchsdaten der letzten drei Jahre. Du bekommst sie in der Regel von deinem Energieversorger oder aus deinen eigenen Unterlagen. Die Fachperson, die den Ausweis erstellt, berechnet daraus den Energieverbrauch. Dazu muss sie das Gebäude nicht zwingend besichtigen.
  • Bedarfsausweis beantragen: Für den Bedarfsausweis wird das Gebäude vor Ort analysiert, um den Energiebedarf zu berechnen. Zu prüfen sind insbesondere die Heizungsanlage, die Dämmung und die Bauweise. Theoretisch kannst du auch Fotos an die Fachperson schicken, doch ein Vor-Ort-Termin führt in der Regel zu genaueren Ergebnissen. Außerdem kannst du dir bei Bedarf gleich eine Energieberatung dazubuchen.

Tipp: In unserem Ratgeber erfährst du, wie du Heizkosten sparen und so weniger Energie verbrauchen kannst.


Was kostet ein Energieausweis?

Die Kosten für einen Energieausweis hängen davon ab, welche Art du benötigst und wie aufwendig die Datenerhebung ist. Grundsätzlich gilt: Ein Verbrauchsausweis ist meist günstiger als ein Bedarfsausweis.

  • Verbrauchsausweis: meist im unteren zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Bereich
  • Bedarfsausweis: in der Regel höher, da eine detaillierte Gebäudeanalyse nötig ist

Der Preis hängt vor allem ab von Gebäudegröße, Vollständigkeit der Unterlagen, Aufwand der Datenerhebung und möglichen Zusatzleistungen (z. B. Energieberatung).


Welcher Energieausweis ist der richtige für mich?

Dämmstoff Proben auf Bauplan
Für die Entscheidung zwischen Verbrauchs- und Bedarfsausweis spielt auch der Zustand der Gebäudehülle eine Rolle.

Du bist noch unsicher, ob du nun einen Verbrauchsausweis oder einen Bedarfsausweis brauchst? Dann helfen dir vor allem diese drei Punkte bei der Einordnung:

  • Baujahr und Zustand des Gebäudes: Wurde das Gebäude vor dem 1. November 1977 gebaut und ist unsaniert? Dann ist ein Bedarfsausweis Pflicht.
  • Anzahl der Wohneinheiten: Hat das Gebäude mehr als vier Wohneinheiten? Dann kannst du meist einen Verbrauchsausweis verwenden, wenn genug Verbrauchsdaten vorliegen.
  • Sanierungsstatus: Ist das Gebäude nachträglich energetisch saniert worden? Auch dann reicht in der Regel ein Verbrauchsausweis aus.

Bedarfsausweis oder Verbrauchsausweis – was ist besser?

Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Welcher Energieausweis „besser“ ist, hängt davon ab, wofür du ihn brauchst und ob du zwischen beiden Varianten überhaupt wählen kannst.

Wenn du einen Energieausweis für Verkauf oder Vermietung benötigst und Wahlfreiheit hast, ist der Verbrauchsausweis oft der unkomplizierte Weg. Planst du dagegen energetische Maßnahmen oder möchtest die Gebäudequalität unabhängig vom Nutzerverhalten bewerten, bietet der Bedarfsausweis die bessere Grundlage.


Häufige Fragen zum Energieausweis

Hier beantworten wir typische Fragen, die beim Vergleich von Verbrauchs- und Bedarfsausweis immer wieder gestellt werden.

Ist ein Energieausweis Pflicht?

Ein Energieausweis ist in der Regel Pflicht, wenn du ein Wohngebäude verkaufen, vermieten oder verpachten möchtest. Interessenten müssen den Energieausweis spätestens bei der Besichtigung einsehen können. Bei Vertragsabschluss ist er zu übergeben.

Welche Häuser brauchen einen Bedarfsausweis?

Ein Bedarfsausweis ist verpflichtend bei Neubauten, da noch keine Verbrauchsdaten vorliegen. Außerdem ist er häufig vorgeschrieben bei unsanierten Wohngebäuden mit bis zu vier Wohneinheiten, die vor dem 1. November 1977 errichtet wurden.

Wie bekomme ich einen Energieausweis?

Einen Energieausweis stellen qualifizierte Fachleute aus, zum Beispiel Energieberater, Architekten oder Ingenieure. Für einen Verbrauchsausweis brauchst du vor allem Verbrauchsdaten der letzten Jahre, für einen Bedarfsausweis Gebäude- und Anlagendaten.

Wie teuer ist ein Energieausweis für mein Haus?

Die Kosten hängen von der Art des Energieausweises ab. Verbrauchsausweise sind meist günstiger, da vorhandene Verbrauchsdaten ausgewertet werden. Bedarfsausweise sind in der Regel teurer, weil eine detaillierte Analyse der Gebäudedaten nötig ist.

Wie lange ist ein Energieausweis gültig?

Ein Energieausweis ist zehn Jahre gültig, unabhängig davon, ob es sich um einen Verbrauchs- oder einen Bedarfsausweis handelt.


Entdecke weitere Ratgeber zum Thema

Hausdach mit Solaranlage
Ratgeber

Mit einer Solaranlage reduzierst du nicht nur deine Energiekosten, sondern leistet auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Dieser Ratgeber zu Solaranlagen vermittelt dir einen Überblick über alles Wissenswerte.

WeiterlesenWeiterlesen.
Bauplan eines Hauses mit Euro-Banknoten und einem Taschenrechner
Ratgeber

Steigende Energiepreise und eine sich zuspitzende Klimakrise: Es gibt viele gute Gründe, weshalb man heutzutage Energie sparen sollte. Wie spart man also Energie? Im Ratgeber erhältst du zahlreiche Tipps.

WeiterlesenWeiterlesen.
Hand bedient Thermostat an Heizung
Ratgeber

Du würdest gerne deine Heizkörper oder Heizsysteme von unterwegs per App steuern können - erfahre hier, wie du deine bestehende Heizung für Smart Home nachrüsten kannst.

WeiterlesenWeiterlesen.

Das könnte dich auch interessieren

LED-Lampe leuchtet gelb
Sortiment

Energiesparlampen

Person öffnet Dachfenster
Sortiment

Fenster