Reifen wechseln: Anleitung und Tipps

Viele Autofahrer haben einen Teil des benötigten Werkzeugs bereits im Kofferraum dabei. Bei anderen lagert es daheim im Keller oder griffbereit in der Garage, gemeinsam mit den Winter- oder Sommerreifen. Alternativ bieten viele Kfz-Werkstätten einen Reifenwechsel-Service an und lagern Winter- sowie Sommerreifen sogar bis zum Gebrauch ein – gegen eine entsprechende Gebühr, versteht sich. Hier liest du, wie du einen Reifenwechsel selber machst.

Schwierigkeitsgrad: Mittel

Dauer: Ein bis zwei Stunden

Werkzeug: Radkreuz, Wagenheber, Drehmomentschlüssel, Kreide, Luftdruck-Messgerät


So gehst du beim Autoreifen wechseln vor

  1. Zieh die Handbremse an und nimm den Gang raus.
  2. Nimm die Radblenden ab.
  3. Löse die Radschrauben mit einem Radkreuz.
  4. Bocke den Wagen mit dem Wagenheber auf.
  5. Dreh die Schrauben vollständig heraus, wenn das Rad frei am Federbein hängt.
  6. Nimm das Rad ab und steck das neue Rad auf.
  7. Setz die Schrauben ein und zieh sie leicht an.
  8. Senke den Wagen vollständig ab.
  9. Zieh die Schrauben mit dem Drehmomentschlüssel fest.
  10. Montiere die Radblende an.

Wiederhole das Ganze mit den drei übrigen Rädern.

Reifenkappe

Weitere Tipps:

  • An einem sauberen Auto arbeitet es sich natürlich angenehmer als an einem verschmutzten. Bei Bedarf solltest du also erwägen, dein Auto vor dem Reifenwechsel zu waschen.
  • Überprüfe alle Räder und Reifen auf Schäden, bevor du sie austauschst.
  • Achte unbedingt darauf, dass du den Wagenheber nur an den dafür vorgesehenen Punkten ansetzt, sonst beschädigst du womöglich die Karosserie.
  • Die Ansatzpunkte sind üblicherweise gekennzeichnet, zum Beispiel mit einem kleinen Pfeil. Im Zweifel hilft ein Blick in die Betriebsanleitung deines Fahrzeugs.
  • Zieh die Schrauben gleichmäßig und überkreuz an (immer nacheinander zwei diagonal gegenüberliegende Schrauben), um das Rad gleichmäßig zu fixieren.
  • Wenn du Zugang zu einer Hebebühne hast, sparst du dir das viermalige Auf- und Abbocken des Fahrzeugs.
  • Prüfe zur Sicherheit nach etwa 50 Kilometern Fahrt, ob sich eine Schraube gelöst hat und zieh bei Bedarf nach.

Luftdruck prüfen

Luftdruck prüfen

Überprüfe unbedingt den Luftdruck, wenn du von Sommerreifen auf Winterreifen wechselst und umgekehrt. Ein Messgerät findest du an fast jeder Tankstelle, die vom Hersteller empfohlenen Werte meist auf der Innenseite der Tankdeckelklappe. Falls nötig, passt du den Luftdruck entsprechend an.

Da sich die Luftdruckangaben üblicherweise auf Sommerreifen beziehen, erhöhst du den Luftdruck am besten zusätzlich um 0,2 bar, wenn du mit Winterreifen fährst. Beachte auch, dass du je nach Beladungszustand des Fahrzeugs den Luftdruck entsprechend anpassen solltest. Je mehr Gepäck du beförderst, desto höher sollte der Reifenluftdruck sein. Auch diesbezüglich findest du die Angaben in der Tankklappe sowie in der Betriebsanleitung deines Fahrzeugs.


Markiere die Räder

Markiere die abmontierten Räder an der Innenseite mit Kreide, damit du sie beim nächsten Reifenwechsel gleich passend zuordnen kannst. Am besten arbeitest du mit folgenden Kürzeln:

  • VL = vorne links
  • VR = vorne rechts
  • HL = hinten links
  • HR = hinten rechts

Drehmomentschlüssel lieber nicht zum Schraubenlösen nutzen

Drehmomentschlüssel und Muttern

Viele Drehmomentschlüssel eignen sich zwar ausgezeichnet zum exakt dosierten Festziehen von Schrauben, aber nicht unbedingt zum Schraubenlösen. Unter Umständen können sie dabei sogar Schaden nehmen. Wenn sich ein Drehmomentschlüssel zum Schraubenlösen eignet, sollte dies in der Produktbeschreibung stehen. Fehlen explizite Informationen, gehst du besser davon aus, dass du damit keine Schrauben lösen solltest. Manche sagen, ein Drehmomentschlüssel sei eher ein Messinstrument als ein Werkzeug. Letztlich treffen aber beide Begriffe zu.


Welches Drehmoment zum Schrauben anziehen?

Sitzen die Schrauben zu locker, kann sich das Rad im schlimmsten Fall während der Fahrt lösen. Zu fest angezogene Schrauben können hingegen insbesondere Alufelgen und die Befestigungslöcher beschädigen. Das richtige Maß ist demnach wichtig. Welches Drehmoment du einstellen musst, um die Schrauben ordnungsgemäß festzuziehen, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Felgengröße
  • Fahrzeugtyp
  • Bauart (Alu- oder Stahlfelgen)

Das nötige Anzugsdrehmoment liegt üblicherweise zwischen 80 und 200 Newtonmeter (Nm). Kleinere Fahrzeuge haben meist ein kleineres Anzugsmoment als größere Fahrzeuge wie SUVs, Transporter und schwere Limousinen. Die genaue Einstellung für dein Fahrzeug kannst du in der Betriebsanleitung des Fahrzeugs, beim Hersteller sowie in entsprechenden Listen im Internet nachlesen.


Warum überhaupt Reifen wechseln?

Bei Schnee und Eis darfst du nicht mit Sommerreifen fahren. Ganzjahresreifen sind zwar je nach Standort erlaubt, allerdings darfst du damit nicht im Gebirge fahren, wenn dort Winterreifenpflicht besteht. Zweimal im Jahr, im Frühjahr und im Herbst, steht deshalb für viele Autofahrer der Wechsel von Winterreifen auf Sommerreifen an – beziehungsweise umgekehrt – um für die jeweilige Jahreszeit und ihre typischen Wetterphänomene gerüstet zu sein. Üblicherweise erfolgt dies der Einfachheit halber als kompletter Räderwechsel. Da das Augenmerk aber vor allem auf der je nach Jahreszeit geeigneten Bereifung liegt, spricht man trotzdem meist vom Reifenwechsel.


Reifen wechseln: Wann ist es Zeit dafür?

Die Faustregel lautet: „Von O bis O.“ Gemeint ist damit: „Von Oktober bis Ostern.“ Nach Ostern werden die Sommerreifen aufgezogen, und im Oktober kommen die Winterreifen wieder zum Einsatz. Natürlich variiert der geeignete Zeitpunkt je nach Standort und Witterung.


Der Unterschied zwischen Sommer- und Winterreifen

Reifen im Schnee

Beide Reifenarten sind auf ihren jeweiligen Einsatz ausgelegt und unterscheiden sich sowohl in puncto Profil als auch hinsichtlich der Gummimischung. Sommerreifen sind deutlich härter, denn im Sommer müssen sie hohen Temperaturen standhalten. Wer die weicheren Winterreifen dennoch im Sommer fährt, muss mit einem verlängerten Bremsweg und einem höheren Abrieb rechnen.

Die typischen Lamellen im Profil von Winterreifen „verzahnen sich“ besser mit Schnee und Eis und verringern so die Rutschgefahr. Das Profil von Sommerreifen ist hingegen darauf ausgelegt, möglichst viel Wasser zu verdrängen, um auch bei Starkregen noch die nötigen Lenkeigenschaften aufrechtzuerhalten.


Abgefahrene Reifen austauschen

Autoreifen müssen extremen Belastungen standhalten. Deshalb ist es so wichtig, dass sie in tadellosem Zustand sind. Mit der Zeit fahren sich die Reifen ab; dann lässt die Straßenhaftung nach. Je niedriger das Profil ist, desto schlechter lässt sich bei Nässe der Feuchtigkeitsfilm verdrängen. Schlimmstenfalls verlieren die Reifen den Kontakt zur Straße und das Fahrzeug lässt sich nicht mehr lenken und bremsen. Spätestens wenn die Profiltiefe handelsüblicher Autoreifen weniger als 1,6 Millimeter (mm) beträgt, musst du sie deshalb austauschen. Dabei handelt es sich um die gesetzliche Mindestprofiltiefe nach Paragraf 36 Absatz 2 der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO).

Der ADAC rät sogar dazu, noch deutlich früher zu handeln und Sommerreifen bei weniger als drei Millimeter Profiltiefe zu tauschen. Bei weniger als vier Millimeter Profiltiefe empfiehlt der Automobilclub, die Winterreifen zu wechseln, da diese es häufiger und in größerem Umfang mit Schnee, Eis und Glätte aufnehmen müssen.


Wann zum Reifen wechseln besser in die Werkstatt?

Du möchtest das benötigte Werkzeug nicht erst anschaffen oder hast nicht genug Platz, um Sommer- oder Winterreifen einzulagern? Dann lohnt es sich für dich womöglich, die Räder in einer Fachwerkstatt zu deponieren. Oft gibt es zudem günstige Angebote für den Reifenwechsel inklusive Lagerung.

Einen Fachmann solltest du auch dann ranlassen, wenn ein direktes Reifendruck-Kontrollsystem (RDKS) in deinem Fahrzeug verbaut ist. Der Fachmann prüft beim Reifenwechsel die Sensoren in den Reifen. Diese übertragen die erfassten Daten per Funksystem an eine zentrale Steuereinheit. Fährst du hingegen ein Modell mit indirektem RDKS, kannst du selbst die Autoreifen wechseln. Hier kommen die Räder ohne entsprechende Sensoren aus.

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