Pflanzen vermehren

Wenn aus Samen neue Pflanzen entstehen, ist das ein faszinierendes Erlebnis. Erstaunlich, wie viel Lebenskraft in einem kleinen Korn steckt! Um eine Sonnenblume anzuzüchten reicht schon ein einziges Korn und mit ein bisschen Geduld wächst eine meterhohe Pflanze in deinem Garten. Manche Pflanzenarten keimen von fast alleine, wiederum andere benötigen eine kleine Hilfestellung. Hauptanzuchtszeit ist das Frühjahr - Sonnenblumen, Stauden und Gemüse wachsen dann besonders gut. Aber auch im Verlauf des Gartenjahres spielt die Anzucht durch die Ausbringung von Saatgut eine wichtige Rolle. Vor allem dann, wenn jahreszeitliche Aspekte und Folgekulturen wie im Gemüsegarten eine Rolle spielen. Wir zeigen dir, worauf du bei deim Vermehren von Pflanzen achten solltest und geben dir hilfreiche Tipps. 


Anzucht von Pflanzen: Tipps zur Aussaat

Im ersten Schritt füllst du die Anzuchttöpfe bis 1 cm unter dem Rand mit einer speziellen Anzuchterde und verdichtest diese anschließend, indem du mit einem Brausenaufsatz auf deiner Kanne die Erde behutsam angießt. Nun kommt es auf das Saatgut an: Von Pflanzen, die zur Einzelstellung genutzt werden, wie etwa Sonnenblumen, Tomaten oderZucchini, legt man 2 bis 3 Samen ins Töpfchen, deckt sie, wenn nötig, mit Erde ab und drückt sie behutsam an. Die Angaben hierzu findest du auf der Samentüte. Nach der Keimung ist es ratsam, die Entwicklung zu beobachten, denn nur der stärkste Keimling darf weiterwachsen. Die anderen werden nach ein paar Tagen ausgedünnt. Kulturen, bei denen mehrere Sämlinge wie eine Pflanze wirken sollen, säst du am besten in Tuff aus. Tuff ist ein lockeres und poröses Material aus Vulkangestein. 

Für alle Aussaaten gilt: Sobald die zarten Triebe zu sehen sind, die Töpfe so dicht wie möglich ans Fenster rücken oder mit Zusatzlicht versorgen. Ungefähr einen Monat nach dem Keimen versorgt man die jungen Pflanzen das erste Mal mit Nahrung wie zum Beispiel einem Flüssigdünger. Überfordere die Keimlinge hier nicht: Am besten setzt du die Hälfte der angegebenen Konzentration verdünnt auf, um die empfindlichen Wurzeln zu schützen. Achte auf das Wachstum deiner Keimlinge. Erst wenn sich ein dichter Wurzelballen gebildet hat, topfe sie in ein größeres Gefäß um, damit sie sich weiter ausdehnen können und genügend Platz zum wachsen haben.

Hast du den Samen direkt im Garten ausgesät, kannst du den Boden anschließend mit einem Flies abdecken. So bleibt die Saat garantiert im Boden, auch wenn es einmal windig ist. Ein weiterer Vorteil: Der Boden speichert die Wärme besser ab und deine Keimlinge gedeihen noch schneller.


Pflanzen vermehren im Frühjahr

Wann du mit der Aussaat beginnst, hängt natürlich erstmal von der jeweiligen Pflanze ab. Doch die Pflanzenwelt gibt so viel her, sodass es jeden Monat etwas zum Aussäen gibt. Gärtner freuen sich immer, wenn sich aus dem winzigen Samenkorn dann später eine kräftige Pflanze entwickelt. Auch du bekommst das problemlos hin, wenn du die richtigen Voraussetzungen dafür schaffst. 

Die fünf wichtigsten Voraussetzungen sind:

  • Wärme
  • Feuchtigkeit
  • Licht
  • Sauerstoff
  • Aussaaterde

Beachte: Je nach Jahreszeit hängt es davon ab, ob du deine Pflanzen vorkultivieren musst oder direkt aussäen kannst. 

Was bedeutet Vorkultur beim Vermehren von Pflanzen?

Manche Pflanzen wie Tomaten, Paprika, Peperoni, Auberginen und viele Beet- und Balkonpflanzen haben eine lange Kulturzeit. Darum werden sie unter gleichmäßigen warmen Bedingungen im Gewächshaus oder auf der Fensterbank vorgezogen. Die Blumen und Gemüsepflanzen werden so in kleinen Töpfen oder Schalen mit Aussaaterde gesät. Regelmäßiges Besprühen und Abdecken der Töpfchen bis zum Keimen ist sehr wichtig. Nach dem Keimen dürfen die Pflanzen ein bisschen kühler stehen. Durch die Vorkultur erhältst du starke Pflanzen mit einer guten Ernte.

Wann ist eine direkte Aussaat im Garten sinnvoll?

Einige unempfindliche Pflanzen lassen sich direkt in den Gartenboden säen. Bohnen, Erbsen, Spinat, Radieschen oder auch Feldsalat gehören dazu. Natürlich brauchen auch diese Samen gute Bedingungen. Die Bodentemperatur sollte nicht mehr schwanken auch der Boden sollte gut vorbereitet werden. Hake ihn vor der Aussaat gut auf, damit er locker und krümmelig ist und die Samen gut aufnimmt. Später werden die zu eng stehenden Sämlinge vereinzelt.


Damit gelingt die Anzucht von Pflanzen

Auf folgende Punkte solltest du bei der Aussat von Pflanzen achten: 

• Der richtige Zeitpunkt für die Aussaat: Eine zu frühe Aussaat sorgt dafür, dass die Saat nur unregelmäßig keimt.
• Ausreichende Lichtmenge: Zu wenig Licht führt zum Vergeilen der Sämlinge, d.h. die Sämlinge werden zu weich und zu lang.
• Das richtige Saatgut: Achte auf Qualitäts-Saatgut mit guter Keimfähigkeit.
• Die Erde machts: Verwende ausschließlich hochwertige Aussaat-Erde für Top-Ergebnisse. 
• Auf die korrekte Saattiefe kommt es an: Heißt nicht zu tief und nicht zu hoch. 
• Achte auf eine optimale Temperatur für die Keimung: Deine Keimlinge dürfen nicht frieren, aber auch nicht schwitzen.
• Gleichmäßige Wasserversorgung: Zu wenig Wasser führt zum Vertrocknen, zu viel und die Sämlinge verfaulen. 

Keimbedingungen

Außer dass man spezielles Substrat nutzen sollte und dieses feucht gehalten werden muss, lassen sich die optimalen Voraussetzungen für die Keimbedingungen nicht verallgemeinern. Die Angaben auf der Samentüte informieren über die wichtigsten Faktoren: Den optimalen Aussaattermin, ob es sich um Licht- oder Dunkelkeimer handelt, die vermutliche Keimdauer, die ideale Keimtemperatur und das richtige Aussaatverfahren.

Standort

Manche Pflanzen benötigen zunächst Kühlschranktemperaturen bevor sie bei etwa 12 °C weiterkultiviert werden. Andere, wie Tomate oder Gurke, lieben es hingegen von Anfang an warm und laufen erst bei Werten über 20 °C zur Höchstform auf.

Achtung

Je wärmer es am Standort ist, desto heller sollte es dort sein. Nur die optimalen und aufeinander abgestimmten Keimfaktoren ermöglichen, dass sich die empfindlichen Keimlinge gesund entwickeln. Bevor die Anzuchten in den Garten gesetzt werden können, muss man sie an das Sonnenlicht und die niedrigere Luftfeuchtigkeit im Freien gewöhnen.

Hilfsmittel

Ein Zimmergewächshaus fördert ein feuchtwarmes Kleinklima. Spezielle Heizmatten halten die Bodentemperatur konstant und Zusatzbeleuchtung sorgt für ein optimales Wachstum. Mit einem Sprüher, der mit weichem Wasser gefüllt ist, lässt sich die Erde dosiert befeuchten.


Das brauchst du zur Vermehrung von Pflanzen

  • Anzucht Gefäße: Das können Eierpappe, Anzuchtschalen, oder auch sonstige flache Gefäße sein.
  • Hochwertige Anzuchterde ist eine Garantie für sicheres und gesundes Keimen. Sie ist frei von Unkrautsamen und Krankheitserregern. Ein geringer Nährstoffgehalt ist ebenso wichtig. So bekommen deine Pflanzen die besten Startbedingungen.
  • Feiner Sand zum Abstreuen der Saatflächen verhindert unter anderem das Vermoosen der Saatflächen und hält Trauermücken fern.
  • Ein Wassersprüher, um die Saat feucht zu halten. Ein Zimmergewächshaus verhindert das schnelle Austrocknen auf der Fensterbank.
  • Etiketten zum Beschriften der Töpfe. Wichtig ist, dass du immer weißt, was du ausgesät hast.
  • Pikierstab, um die Sämlinge zu vereinzeln. Manchmal geht auch ein Bleistift oder Kugelschreiber.
  • Frischhaltefolie zum Abdecken, wenn kein Zimmergewächshaus vorhanden ist. Dadurch keimt die Saat schneller.

Beachte: Ist die Saat gekeimt, muss die Folie weg! Ansonsten können die Keimlinge faulen.


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Was sind Lichtkeimer?

Für einige Pflanzenarten ist es wichtig, dass deren Saat nicht abgedeckt wird. Dazu gehören zum Beispiel die Rasengräser, Vergissmeinnicht, Sonnenhut, Möhren, Kopfsalat, Dill, Bohnenkraut, Majoran und Salbei. Hier musst du darauf achten, dass diese nicht mit Erde abgedeckt werden. Sie werden nur ausgestreut und leicht angedrückt. Damit die oberste Substratschicht nicht so schnell austrocknet, spannt man zunächst Klarsichtfolie über den Topf. Besser ist aber die Verwendung eines Zimmergewächshauses.

Was ist pikieren?

Wenn die Saat erfolgreich gekeimt ist, wachsen die Pflanzen schnell dicht an dicht in die Höhe. Dann ist es an der Zeit, sie zu vereinzeln. Nimm dazu die einzelnen Sämlinge auseinander und topfe sie in kleine Töpfe. Achte darauf, sie so tief einzutopfen, dass die Keimblätter kurz über dem Boden stehen. Jetzt entwickelt sich jede Pflanze einzeln zu stattlichen Gewächsen mit einem kräftigen Wurzelballen.

Was versteht man unter dem Begriff "Abhärten"?

Wenige Tage nach dem Pikieren wachsen die Pflanzen und entwickeln sich weiter. Damit sie sich langsam an deinen Garten gewöhnen können, solltest du sie abhärten. Das heißt, du musst sie langsam an kühle Temperaturen gewöhnen. Aber auch die Sonnenstrahlen können den jungen Pflänzchen den Garaus machen. Ohne Abhärtung bekommen sie Sonnenbrand! Also gewöhne sie auch erst einmal an die Sonne und suche ihr anfangs ein schattiges, windstilles Plätzchen. Dann steht der nächsten Ernte oder der Blütenpracht nichts mehr im Wege!

Stark von Anfang an

Wasser ist wichtig, damit die Samen quellen können. Trocknet die Erde während der Keimung aus, war die ganze Mühe umsonst. Ist die Erde jedoch zu feucht, treten leicht Krankheiten auf. Daher darauf achten, das Substrat beim Gießen nicht zu vernässen und das Kleingewächshaus täglich zu lüften.

F1-Saatgut

Pflanzen, die aus F1-Saatgut hervorgehen, wachsen gleichmäßiger, blühen besser und sind oft widerstandsfähiger. Die Eigenschaften, die die F1-Sorten aufgrund eines aufwendigen und speziellen Züchtungsverfahrens besitzen, gehen verloren, wenn man selbst Samen ernten würde. In angebrochenen Tüten bleibt dieses wertvolle Saatgut 2 bis 3 Jahre keimfähig, wenn man es kühl und trocken lagert.