Urban Gardening: Inmitten der Stadt gärtnern

Eine grüne Oase mitten in der tristen Betonwüste: Urban Gardening verbessert die städtische Lebensqualität in vielerlei Hinsicht. Du schaffst dir ein eigenes Refugium, tust etwas für die Luftqualität und Artenvielfalt oder lernst deine Nachbarn im Gemeinschaftsgarten kennen. Das stärkt den Zusammenhalt in der Großstadt. Grüne Innenhöfe, Balkone, Häuserfassaden, Dachterrassen und mit Hochbeeten bestückte Brachflächen zeigen: Auch auf engem Raum kannst du knackige Tomaten ziehen und dich an bunter Blütenpracht erfreuen.


Urban Gardening: Projekte erfolgreich umsetzen

Schritt 1: Urban-Gardening-Konzept entwickeln

Urban Garden

Das Gärtnern auf engem Raum setzt etwas Planung voraus. Überlege im Vorfeld, was du realisieren kannst. Binde Vermieter und Hausbewohner ein, wenn du einen Hinterhof oder Vorgarten bewirtschaften willst. Private und öffentliche Grundstücke dürfen generell nicht ohne Genehmigung bepflanzt werden, doch viele Stadtverwaltungen unterstützen die Begrünung brachliegender Flächen. Neben dem Abschließen eines Nutzungsvertrages gilt es gegebenenfalls noch Nachbarn zu mobilisieren oder Geld zu akquirieren. Einfacher ist es, wenn du dich nach einem bestehenden Gemeinschafts- oder Schrebergarten umschaust. Das Grünflächenamt ist dafür ein guter Ansprechpartner.


Schritt 2: Geeigneten Standort finden

Damit Tomaten und Tulpen gut gedeihen, brauchen sie genug Sonne. Und selbstverständlich musst du auch regelmäßig gießen – wenn du das Hochbeet in einem überdachten Bereich anlegst, umso häufiger. Achte außerdem darauf, dass deine Pflanzen nicht im Weg stehen oder Wege blockieren. Tipp: Generell stehen Pflanzen in Hauswandnähe windgeschützter.


Schritt 3: Pflanzenbehältnisse auswählen

Blumentöpfe mit Pflanzen

Nicht jeder hat die Möglichkeit, auf seiner Dachterrasse Erde aufzuschütten, um Urban Gardening zu betreiben. Aber auch Blumentöpfe und Kübel machen sich auf Terrasse und Balkon gut. Für den Gemüsegarten im Miniaturformat bieten sich Hochbeete und kleine Gewächshäuser an. Beides kannst du ganz einfach selber bauen. Noch platzsparender sind vertikale Pflanzenbehältnisse, Rankhilfen, Blumenampeln und Pflanzentreppen.


Schritt 4: Richtigen Nährboden schaffen

Hochbeet mit Sätzlingen

Hochwertige Blumen- und Gemüseerde stellt sicher, dass die Gewächse auch im Balkonkasten oder Hochbeet gedeihen. Grundsätzlich empfiehlt sich bei geschlossenen Behältnissen eine Drainageschicht. Damit sich keine Staunässe bildet und sich die Wurzeln gut ausbreiten, empfiehlt sich auch bei einem Hochbeet ein mehrschichtiges Bodensystem. Hochbeete sind auch dann die beste Lösung, wenn der städtische Boden das Auspflanzen nicht zulässt. Prüfe unbedingt vorher, ob der Boden durch Umweltgifte kontaminiert ist.


Schritt 5: Pflanzen auswählen

Basilikum in Beet

Steht dir der Sinn eher nach Nutz- oder nach Zierpflanzen? Während Tulpen, Dahlien und Schmucklilien eine Augenweide sind, bereiten Tomaten, Zucchini und Kopfsalat Gaumenfreuden. Wähle Pflanzen außerdem entsprechend der Lichtverhältnisse aus. Es gibt sonnenverwöhnte Gewächse und solche, die Halbschatten bevorzugen. Legst du auf Pflegeleichtigkeit wert, solltest du zu mehrjährigen Pflanzen wie Buchsbaum und Chrysanthemen greifen.


Schritt 6: Pflege organisieren

Urban Gardening bedeutet zwar weniger Aufwand als ein Schrebergarten, ganz ohne geht es jedoch nicht. Sei dir dessen bewusst. Wenn du im Urlaub bist, reicht mitunter ein Bewässerungssystem. Gemeinschaftsgärten haben den Vorteil, dass sich jeder um die Pflanzen kümmert. Ein Plan stellt sicher, dass sich jeder einbringt.


Was ist Urban Gardening? Eine Definition

Mann und Frau bepflanzen Hochbeet

Den städtischen Raum grüner machen: Das bedeutet Urban Gardening einer weitgefassten Definition zufolge. Dort, wo grauer Asphalt und Beton dominieren, soll ein grüner Farbtupfer für Abwechslung sorgen und im anonymen Großstadttrubel zum Verweilen einladen. Viele Hobbygärtner reizt es zudem, ihr eigenes Gemüse und Obst anzubauen. Ob Mini-Garten auf dem eigenen Balkon oder eine groß angelegte Nachbarschaftsinitiative: Urban Gardening kann viele Facetten haben. Eines haben alle Urban-Gardening-Projekte gemeinsam: eine aufgrund des dicht besiedelten Raumes begrenzte Fläche.

Doch die Platznot macht erfinderisch. So kannst du einen Balkon oder eine Hausfassade durch ein vertikales Bepflanzungssystem in einen hängenden Garten verwandeln, im Innenhof einzelne Gehwegplatten entfernen und begrünen oder auf dem Fußweg in deiner Straße die Baumscheiben bepflanzen. Genauso gut kannst du dich mit Nachbarn deines Wohnviertels zusammentun und eine öffentliche Brachfläche oder Parkgaragendächer in einen Gemeinschaftsgarten umwandeln.

Ein privates Refugium schaffen, eigenes Bio-Gemüse züchten, das soziale Miteinander verbessern oder das ökologische Bewusstsein stärken: Auch die Motive der Hobbygärtner können sehr verschieden sein. Eines ist sicher: Urban Gardening macht das Leben in der Stadt bunter. Was auch immer dich antreibt, du und dein Umfeld profitieren von vielen positiven Aspekten:

  • Verschönerung des Stadtraumes: Ganz gleich, ob du mit Urban Gardening deinen Balkon oder ungenutzte Parkplätze begrünst, die Bewohner deines Hauses und Stadtviertels werden das Mehr an Grün zu schätzen wissen.
  • Entspannung: Mit Blick auf blühende Balkonkästen oder den umgestalteten Hinterhof lässt es sich besser entspannen als mit einer Aussicht auf graue Häuserwände.
  • Ökologische Lebensmittel: Selbstgezogenes Obst und Gemüse hat Bio-Qualität und ist nachhaltiger als importierte Ware außerhalb der Saison.
  • Bessere Luft: Pflanzenbinden Abgase und verbessern somit die Luftqualität.
  • Beitrag zur biologischen Vielfalt: Bienen und andere Insekten haben es in der Stadt schwer.Blumenkästen auf Dachterrasse oder Balkon vergrößern ihren Lebensraum. Das erhöht auch das Nahrungsangebot für Vögel.
  • Erlebnisraum für Kinder: MitUrban Gardening kannst du auch in der Stadt Kindern die Natur nahebringen.
  • Stärkung des Umweltbewusstseins: Gepflegte Grünstreifen und Baumscheiben halten Passanten davon ab, Müll auf die Straße zu werfen und verbessern das Bewusstsein für Umweltschutz allgemein.
  • Sozialer Zusammenhalt: Ein Garten ist ein beliebter Treffpunkt für Hausbewohner und Nachbarschaft. Er lädt zum Austausch ein und nimmt der Stadt die Anonymität.

Urban Gardening in hohen Lüften: Balkon, Dachgarten und vertikale Grünfläche

Vertikaler Garten

Ein Balkon lässt sich reichlich mit Blumentöpfen und Pflanzenkübeln bestücken. Ist noch Platz für ein Hochbeet, kannst du viel Obst und Gemüse züchten. Gemüsesorten wie Tomaten, Radieschen, Möhren sowie Pflücksalate und Kräuter gedeihen auch auf beengtem Raum wunderbar.

Noch mehr Platz sparst du mit vertikalen Systemen. Dazu gehören einfach anbringbare Wandmodule, Pflanzentreppen sowie Blumenampeln. Alternativ befestigst du an der Rückwand einer Palette eine wasserdichte Plane und bepflanzt die Zwischenräume. Bevor du die Palette aufrichtest, solltest du den Pflanzen zwei Wochen Zeit zum Anwurzeln lassen. Aber auch upgecycelte Plastikflaschen und -tüten kannst du aufhängen. Der Kreativität sind beim Urban Gardening auf dem Balkon keine Grenzen gesetzt.

Bevor du ein tragfähiges Flachdach im großen Stil bepflanzt, benötigst du die Genehmigung des Vermieters. Gegebenenfalls sollte zudem ein Experte die Machbarkeit prüfen. Schütze das Dach vor Nässe, indem du eine wasserdichte, stabile Plane auslegst. Die folgende Drainage- und eine Humusschicht sollten entsprechend der Tragfähigkeit des Daches nicht zu dick werden.


Öffentlichen Raum begrünen: Nachbarschaftsgarten und Baumscheiben

Ganz gleich, ob du mit Gleichgesinnten ein geeignetes Grundstück suchst und eine Nachbarschaftsinitiative gründest oder in einem bestehenden Urban-Gardening-Projekt eine Fläche befristet pachtest: Mit einem aus Paletten selbstgebauten Hochbeet bleibst du mobil und kannst dir sicher sein, dass die Bodenqualität stimmt.

Alternativ gärtnerst du direkt vor der eigenen Haustür. Baumscheiben bieten sich dazu an, die Straße mit bunten Blümchen zu verschönern. Das verhindert, dass der Gehweg zum Hundeklo oder zur Mülldeponie verkommt und schützt die Baumwurzeln vor Bodenverdichtung. Obwohl Baumscheiben kommunales Eigentum sind, erlauben die meisten Stadtgemeinden dies, sofern man sich an ein paar Regeln hält. So solltest du weder zu tief graben, noch darf die Bepflanzung Passanten, parkende Autos und Radfahrer behindern.

Das könnte dich auch interessieren