Beerenobst

Unter dem Begriff Beerenobst werden in der Regel jene Obstsorten zusammengefasst, die kleine, zumeist weiche, rundliche und besonders farbintensive Früchte tragen. Allem Beerenobst gemeinsam ist das einfache Ernten und Verarbeiten: sei es zum Frischverzehr oder aufbereitet als Obstsalat, Marmelade, Kuchenbelag oder auch veredelt zu einem Fruchtlikör. Sein Einsatzgebiet ist sehr vielseitig. 


Der Anbau

Durch eine kluge Anbauplanung und Sortenauswahl kann man vom Frühsommer bis zum ersten Frost die unterschiedlichsten Beeren ernten. Frühe Erdbeersorten ermöglichen bei entsprechender Witterung und durch den Einsatz von Verfrühungsvliesen schon eine Ernte ab Mai, gefolgt von frühen Himbeeren, die bereits im Juni geerntet werden können. 


Im Juli folgen dann die Johannisbeeren und mit der Ernte der Brombeeren im November endet das Gartenjahr. Gepflanzt wird je nach Sorte im späten Herbst und im zeitigen Frühjahr. Vor allem Himbeeren, Brombeeren und Jostabeeren sollte man nach dem Winter pflanzen, damit sie sich an den neuen Standort gewöhnen und anschließend ihre Winterhärte ausbilden können. 


Auch in den kleinsten Gärten kann man Beerenobst anpflanzen. Besonders beliebte Beerenobstsorten sind Himbeeren, Brombeeren und natürlich Erdbeeren. Die leckeren Früchte lassen sich mit einfachen Handgriffen anbauen, brauchen relativ wenig Platz und liefern viele leckere Früchte mit wichtigen Vitaminen. Im Gegensatz zu vielen Baumobstarten, die Befruchter brauchen, ist Beerenobst in der Regel selbstfruchtbar. Die Blüten werden durch Insekten und Wind befruchtet. 

Anbau Beerenobst

Früchte können also auch entstehen, wenn nur ein Strauch jeder Art gepflanzt/gesetzt wird. Verschiedene Sorten erhöhen allerdings den Fruchtansatz und ergeben auch dickere Früchte. So kann auch im kleinsten Garten der eine oder andere Strauch als Naschobst gesetzt werden.

Auch Stachelbeeren, von denen es inzwischen stachelarme Sorten gibt, und Johannisbeeren sind als Sträucher, Halb- oder Hochstämmchen einfach anzubauen. Dabei sind Hochstämmchen einfacher zu beernten, aber windempfindlich und brauchen daher eine stabile Halterung (Baumpfahl) für die Krone. Es gibt auch noch etliche Kreuzungen zwischen verschiedenen Beerenarten (z. B. Jostabeere, Taybeere etc.) sowie wiederentdeckte Arten wie die vitaminreichen Wolfs- oder Apfelbeeren. Während viele dieser Arten leicht anzubauen sind, brauchen z. B. Kulturheidelbeeren und Cranberrys einen speziellen, sauren Boden (z. B. Rhododendronerde), viel Wasser und ausreichend Nährstoffe.
 


Pflanzung und Pflege von Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren

Himbeeren

Himbeeren

Wilde Himbeeren wachsen an Waldrändern und an Lichtungen. Kulturhimbeeren mögen ähnliche Standorte, die hell und sonnig sein sollten. Im Schatten gedeihen sie nur schlecht. Zudem brauchen sie tiefgründige, humose Böden mit einem pH-Wert zwischen 5 und 6,5, die eine gleichmäßige Wasserversorgung gewährleisten. Bodenverdichtungen führen zu schlechtem Wachstum und zu Wurzelkrankheiten. Da Himbeeren sowieso relativ schnell „abbauen“, das heißt, nach einigen Jahren deutlich empfindlicher gegenüber Pilz - und Viruskrankheiten werden, sollten die Bestände spätestens nach 10 Jahren an anderer Stelle erneuert werden. Die Pflanzen werden in einer Reihe im Abstand von 50 cm gesetzt und brauchen eine stabile Befestigung (Holz-/Drahtgerüst). Bevorzugt wird im Herbst gepflanzt. Die austreibenden Ruten werden auf 8 bis 10 je laufenden Meter begrenzt (bodennah abschneiden); auch alle schwachen oder kranken Triebe werden rausgeschnitten. Bei starkwüchsigen Sorten können die Triebe später auf etwa 2 m Höhe eingekürzt werden. 

Empfehlenswert ist es, verschiedene Himbeersorten zu pflanzen, die zu unterschiedlichen Zeiten reifen. So kann man die Ernte vom Frühsommer bis zum ersten Frost ausdehnen. Man unterscheidet einmaltragende Sommerhimbeeren und spät reifende Herbsthimbeeren. Diese fruchten sowohl an den einjährigen Ruten (August bis Oktober), aber auch schon im Juni an den vorjährigen (zweijährigen) Ruten. Auch der Schnitt richtet sich nach der Sorte: Bei den Sommerhimbeeren werden die Triebe, an denen gerade Früchte waren, abgeschnitten, sobald die letzten Beeren abgeerntet sind; darunter haben sich bereits neue Triebe gebildet, die dann im kommenden Jahr Früchte tragen werden. Bei den Herbsthimbeeren werden nach der Ernte (nach dem ersten Frost) alle Triebe abgeschnitten; neue Triebe bilden sich dann im kommenden Frühjahr.

Brombeeren

Brombeeren

Viele kennen wild und üppig wachsende Brombeeren, deren Ernte durch die Dornen ziemlich beschwerlich ist. Heute gibt es dornenlose, wohlschmeckende Sorten für den Anbau im Garten wie „Black Satin“, „Hull Thornless“ und „Thornless Evergreen“. Möglich ist der Anbau sowohl auf leichten, sandigen Böden als auch auf schweren Böden. Bodenverdichtungen und Staunässe vertragen Brombeeren jedoch nicht. Die Ranken können unter –15 °C erfrieren, wobei die Winterfrostempfindlichkeit sortenabhängig ist. Zwar treibt die Pflanze wieder aus, jedoch ist eine Ernte verloren. Damit das Holz gut ausreift und ausreichend widerstandsfähig gegen Frost ist, benötigt die Brombeere einen warmen, windgeschützten Standort. Die Sträucher werden im Spätsommer/ Herbst oder späten Frühjahr gepflanzt, wobei bei den starkwüchsigen Sorten ein Abstand von 1,5 bis 2 m von Strauch zu Strauch eingehalten werden sollte. Die langen Ranken brauchen Halt, deshalb am besten ein stabiles Spalier errichten. Brombeeren fruchten an Kurztrieben der letztjährigen Ranken. Nach der Ernte werden diese alten Ruten dann im Spätherbst bodennah abgeschnitten. Um diese Kurztriebe und damit den Ertrag zu fördern, werden die Seitentriebe an den jungen Ruten ab Juni bis August 2- bis 3-mal auf ca. 10 cm eingekürzt. Dies sind dann die fruchttragenden Kurztriebe fürs kommende Jahr. Damit die Hauptruten nicht unnötig Kraft wegnehmen, werden sie auf eine beliebige Länge eingekürzt.
 

Erdbeeren

Erdbeeren

Erdbeerstauden, deren Früchte sicherlich bei jedermann beliebt sind, können in allerlei Gefäßen (z. B. Balkonkasten, Hängeampel) angebaut werden. In erster Linie werden sie jedoch in Beeten angepflanzt, wo sie bezüglich Fruchtfolge und Düngung wie mittelstark zehrende Gemüsearten (siehe Infoblatt Gemüse) behandelt werden. Dabei sollte die Stickstoffdüngung nach der Pflanzung im Spätsommer (September) verabreicht werden und nicht im Frühjahr. Bevorzugt werden sonnige bis halbschattige Lagen mit lockerem, humosen Boden mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5. Erdbeeren sind empfindlich gegen Staunässe und können schnell Wurzelfäule bekommen; deshalb bei schwereren, feuchten Böden die Pflanzen auf kleine Hügel (Dämme) setzen, so dass der Boden schneller abtrocknet. Einfach und sicher geht die Pflanzung mit Jungpflanzen in Töpfen. Die Topfpflanzen werden entweder im Frühjahr oder Anfang August gesetzt. Bei der Pflanzung muss darauf geachtet werden, dass das Herz der Pflanze oberirdisch bleibt und nicht mit Erde bedeckt wird. Werden mehrere Reihen gesetzt, sollte der Reihenabstand 60 cm betragen; in der Reihe werden die Pflanzen im Abstand von 25 bis 30 cm gesetzt. Vorbeugend gegen Pilzkrankheiten kann man im Frühjahr Steckzwiebeln zwischen die einzelnen Pflanzen setzen. Nach der Blüte ist es sinnvoll, Stroh oder Holzwolle zwischen den Pflanzen auszulegen. Dadurch haben die Früchte keinen Erdkontakt, bleiben sauber und faulen nicht so schnell. Gegen gefräßige Schnecken kann das biologische Schneckenkorn Ferramol ausgestreut werden. 

Für die Gesundheit der Pflanzen und ihren Ertrag ist es sinnvoll, die Erdbeeren nur einjährig zu kultivieren. Sollen sie dennoch länger stehen bleiben, muss das alte Laub direkt Anfang August abgeschnitten werden und zwar gut 5 cm über der Bodenoberfläche, ohne das Herz zu verletzen. Denn in den alten Blättern entstehen Hemmstoffe, die sich negativ auf weitere Blatt - und Fruchtgröße auswirken, zudem sind sie oft mit Pilzkrankheiten infiziert (d. h. Laub im Hausmüll entsorgen und nicht auf dem Kompost). Auch die sich im Spätsommer entwickelnden Ranken werden – sofern sie nicht zur eigenen Nachzucht verwendet werden – entfernt. Es gibt sehr viele Erdbeersorten. Geschmacklich werden oft die altbekannten Sorten „Senga Sengana“ und „Mieze Schindler“ bevorzugt, deren Früchte aber weich sind und schnell verarbeitet werden müssen. Bei neueren geschmacklich guten Sorten empfiehlt es sich, Sorten mit unterschiedlichen Reifezeiten zu pflanzen, wodurch die Erntezeit verlängert wird. 


Bodenpflege und Düngung

Düngen

Beerensträucher sind in der Regel Flachwurzler, daher sollte man keine tiefe Bodenbearbeitung im Wurzelbereich vornehmen. Eine Grasnarbe im Wurzelbereich der Sträucher bedeutet eine enorme Konkurrenz um Wasser und Nährstoffe. Den Boden unter den Sträuchern sollte man daher unbedingt frei halten oder mulchen (Gras, Laub, Bändchengewebe, aber keine Rinde, da sonst Nährstoffmangel entstehen kann). Wichtig ist eine gleichmäßige Bodenfeuchtigkeit, wobei am besten morgens gegossen werden sollte. 

Beerensträucher benötigen eine kontinuierliche Nährstoffzufuhr. Ideal ist eine jährliche Kompostgabe im Wurzelbereich (ca. 3 l/m²) und im Frühjahr etwas Stickstoffdünger, z. B. 50 g/m² Hornspäne. 


Krankheiten und Schädlinge

Befallende Erdbeerpflanze

Bei Himbeeren können verschiedene Pilzarten die Himbeerruten zum Absterben bringen. Sie werden anfangs gelb, dann braun – und sollten spätestens dann entfernt werden. Die Herbsthimbeere „Autumn Bliss“ ist weniger anfällig. Wichtigste Vorbeugemaßnahme: optimale Kulturbedingungen! An tierischen Schädlingen ist besonders der Himbeerkäfer zu nennen, der ab Juni seine Eier in die Blüten legt. Dadurch entwickeln sich Larven (Maden), die dann in den Früchten sitzen. Wichtige Vorbeugemaßnahme: schattige Lagen meiden. Zudem kann man ab Anfang Mai die Käfer frühmorgens von den Ruten in einen Eimer mit leichter Seifenlösung abklopfen. Da die Flugzeit des Käfers zur Blütezeit der Herbsthimbeeren schon vorbei ist, bleiben die Früchte dieser Arten madenfrei. 

Auffälligstes Problem bei Brombeeren ist das ungleiche Ausreifen der Früchte. Die Früchte bleiben ganz oder teilweise rot, wobei die Schädigung so weit gehen kann, dass zur Erntezeit fast nur rötliche Früchte am Strauch hängen. Auch den reif aussehenden, schwarzen Beeren fehlt die Süße. Dies wird durch sehr kleine (0,1 – 0,17 mm große) Spinnentiere verursacht, die Brombeergallmilben, die die einzelnen Segmente der Früchte aussaugen. Diese Tierchen überwintern unter Knospenschuppen, an Stängelteilen oder an vertrockneten, am Strauch hängengebliebenen Früchten. Sie wandern im Frühjahr in die Knospen. Wenn sich die Beeren entwickeln, sitzen die Milben versteckt an den Fruchtböden und saugen an den Teilfrüchten, wodurch Teilsegmente nicht ausreifen. Wichtig ist im Herbst der Rückschnitt alter Ruten. Alle befallenen Früchte müssen entfernt und entsorgt werden.

Schädlinge

Da die Milben sich besonders bei Wärme stark vermehren, muss auf ausreichende Bodenfeuchtigkeit im Sommer geachtet werden; durch Mulch wird die Verdunstung des Bodens verringert und die Feuchtigkeit besser gehalten. Nur bei einem starken Befall empfiehlt sich eine Bekämpfung im kommenden Frühjahr, um den Befall der kommenden Ernte zu reduzieren. Hier kann das auch im biologischen Anbau zugelassene Mittel „Naturen Schädlingsfrei“, das zu 85 % aus Rapsöl besteht (keine Wartezeit notwendig, nicht bienengefährlich, nützlingsschonend), eingesetzt werden.

Bei Erdbeeren ist die Fruchtfäule, die durch den Grauschimmelpilz (Botrytis cinerea) verursacht wird, das größte Problem, vor allem bei feuchtwarmer Sommerwitterung. Wichtig sind hier ein ausreichend weiter Pflanzabstand, so dass die Pflanzen möglichst schnell abtrocknen können, sowie das Unterlegen von Stroh oder Holzwolle. Ebenfalls ist darauf zu achten, dass die Pflanzen nur mäßig mit Stickstoff gedüngt werden und die Düngung nicht im Frühjahr, sondern im Spätsommer erfolgt; andernfalls wird das Laub sehr üppig und die Anfälligkeit für Fäulnis steigt. Einige Wurzelfäulniskrankheiten können durch zu engen Fruchtwechsel entstehen; deshalb Erdbeeren am besten in der Gemüsefruchtfolge rotieren lassen und nicht häufiger als alle 3 Jahre auf der gleichen Fläche anbauen.
 


Weitere Ratgeber zum Thema Beeren