Nahaufnahme einer Person die ein Gewinde schneidet
Ratgeber
Hier findest du:
Schwierigkeitsgrad: leicht
Dauer: 15–30 Minuten
Werkzeuge: eventuell Körner, passender Bohrer zum Vorbohren, Gewindebohrer (manuell oder maschinell), Kegelsenker, Windeisen und Schneidöl

Eine der beliebtesten Verbindungstechniken unter Heimwerkern ist die Schraubverbindung. Nicht ohne Grund: Richtig verschraubt entstehen sichere und feste Verbindungen, die bei Bedarf wieder gelöst werden können. Um eine Schraube überhaupt in ein Werkstück drehen zu können, benötigt man ein Gewinde. In diesem Beitrag erfährst du, wie man in wenigen Schritten selbst ein Gewinde schneidet bzw. ein verrostetes Gewinde nachschneidet.


Was ist ein Gewinde?

Verschiedene Werkstücke mit Gewinde vor weißem Hintergrund

Von der Zahnpastatube über die Wasserflasche bis hin zum Marmeladenglas: Gewinde begegnen uns jeden Tag. Sie sorgen dafür, dass die Deckel sicher halten. Doch was versteht man genau unter diesem Begriff? Im Prinzip ist ein Gewinde eine spiralförmige Einkerbung, die in einer zylinderförmigen Innen- oder Außenwand verläuft. Greift ein in seiner Größe und Form übereinstimmendes Außengewinde in ein Innengewinde, entsteht eine Schraubverbindung.

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Welche Gewindearten gibt es?

Wie oben bereits beschrieben, werden Gewinde nach ihrer Lage in Innen- und Außengewinde eingeteilt. Daneben können Gewinde noch nach folgenden Kriterien unterschieden werden:

  • Drehrichtung
  • Form der Gewindeflanke
  • Maßsystem
  • Verwendung

Aber keine Sorge, als Heimwerker musst du nicht alle Gewinde im Detail kennen. Folgende Tabelle gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewindearten:

Tabelle mit verschiedenen Gewindearten

Innengewinde schneiden: So gehts

Großaufname vieler Innengewinde

Zum Schneiden eines Innengewindes eignen sich sowohl Handgewindebohrer – meist als dreiteiliges Set erhältlich – als auch Maschinengewindebohrer. Die Dreiersets bestehen aus Vorschneider, Mittelschneider und Fertigschneider. Sie müssen in der richtigen Reihenfolge angewendet werden. Weil jeder Bohrer nur einen Teil des Gewindes schneidet, sind die Drehkräfte relativ gering. Für den maschinellen Gebrauch eignen sich die Handbohrer deshalb nicht. Beachte: Für jede Gewindegröße benötigst du ein entsprechendes Set.

Das maschinelle Schneiden besitzt den Vorteil, dass die Bohrlöcher und Gewinde absolut exakt sind. Maschinengewindebohrer bestehen nur aus einem einzigen Bohrer, der durch seinen besonderen Anschliff an der Spitze Vor-, Mittel- und Fertigschneider in sich vereinigt. Die Eindrehkräfte sind etwas höher, der Bohrer kann aber ohne Weiteres auch mit der Hand eingedreht werden.

Wenn du ein Gewinde maschinell schneiden möchtest, solltest du entweder eine Tischbohrmaschine oder einen Bohrmaschinenständer verwenden. Nur so ist garantiert, dass du die Bohrung wirklich senkrecht ausführst. Auch die anschließende Senkung erfolgt dadurch gleichmäßig und mittig zum Bohrloch. Schneidest du regelmäßig Gewinde mit der Bohrmaschine, lohnt sich eventuell der Kauf eines Gewindeschneidfutters.


Schritt 1: Kernlochdurchmesser ermitteln

Innengewinde werden immer in Bohrungen eingeschnitten. Bevor der Gewindeschneider zum Einsatz kommt, benötigst du also zunächst einen passenden Bohrer. Wichtig: Die Bohrung muss im Durchmesser kleiner sein als das spätere Gewinde. Der Gewindeschneider drückt das Material etwas nach innen und verkleinert so das Bohrloch. Der Kernlochdurchmesser hängt davon ab, ob Handgewindebohrer oder Maschinengewindebohrer verwendet werden.

Bei Handbohrer gilt als Faustformel: Gewindedurchmesser × 0,8 = Kernlochgröße. Wenn du also ein M6-Gewinde schneiden möchtest, benötigst du einen Kernlochdurchmesser von 4,8 mm.

Verwendest du einen Maschinengewindebohrer, solltest du nach folgender Formel vorgehen: Gewindedurchmesser − Gewindesteigung = Kernlochdurchmesser. Die Steigung ist in eigenen Tabellen hinterlegt. Um ein M6-Gewinde zu schneiden, brauchst du also einen Kernlochdurchmesser von 5 mm.

Welchen Bohrer du für die gängigen ISO-Regelgewinde nach DIN 13 benötigst, kannst du dieser Übersicht entnehmen:

Gewinde

Kernlochdurchmesser in mm

M1

Kernlochdurchmesser in mm

0,75

M2

Kernlochdurchmesser in mm

1,6

M3

Kernlochdurchmesser in mm

2,5

M4

Kernlochdurchmesser in mm

3,3

M5

Kernlochdurchmesser in mm

4,2

M6

Kernlochdurchmesser in mm

5

M7

Kernlochdurchmesser in mm

6

M8

Kernlochdurchmesser in mm

6,8

M9

Kernlochdurchmesser in mm

7,8

M10

Kernlochdurchmesser in mm

8,5

M11

Kernlochdurchmesser in mm

9,5

M12

Kernlochdurchmesser in mm

10,2


Schritt 2: Kernloch vorbohren

Kernloch in Holzstück wird vorgebohrt

Hast du den richtigen Kernlochdurchmesser ermittelt, kannst du endlich loslegen. Es empfiehlt sich, die Stelle, die du vorbohren möchtest, vorher anzukörnern. Halte dazu den Körner auf das Werkstück und gib einen gezielten Hammerschlag darauf ab. Setze dann den Bohrer auf die Stelle und bohre ein Loch.


Schritt 3: ansenken

Nahaufnahme eines Metallstücks in das eine Ansenkung gebohrt wird

Gewindebohrer sind glashart. Jedes Verkanten oder Verbiegen führt, besonders bei kleinen Gewindedurchmessern, unweigerlich zum Bruch. Die Bohrung sollte deutlich angesenkt sein, damit der Bohrer zügig in das Material eindringen kann. Durch das Ansenken verhinderst du zudem, dass beim Anschneiden der erste Gewindegang aus der Bohrung herausgedrückt wird. Die Größe des Kegelsenkers ist um 10 % größer als der Durchmesser des Gewindebohrers.


Schritt 4: Gewinde schneiden

Nahaufnahme diverser Gewindeschneider

Mit den Vorarbeiten bist du fertig, jetzt kannst du das Gewinde schneiden. Spanne dafür den manuellen Gewindebohrer in ein Windeisen oder den Maschinengewindebohrer in die Bohrmaschine ein. Drehe den Gewindeschneider in das Kernloch. Gehe dabei mit viel Gefühl und ruhiger Hand vor. Grundsätzlich sollte niemals trocken geschnitten werden. Als Schmiermittel eignen sich Öl, Fett oder Bienenwachs.

Wenn der Gewindebohrer beim Eindrehen schwergängig wird, solltest du nicht mit Gewalt weiterdrehen. Versuche stattdessen mit leichten Drehungen vor- und rückwärts die Späne zu brechen und den Bohrer damit wieder freigängig zu machen. Bei tiefen Gewinden hat es sich bewährt, den Bohrer von Zeit zu Zeit auszudrehen und ihn und auch das Bohrloch von Spänen zu säubern. Hast du das Gewinde geschnitten, musst du nur noch den Gewindebohrer in der entgegengesetzten Richtung herausdrehen.


Außengewinde schneiden

Altes und rostiges Außengewinde aus Stahl

Außengewinde braucht man zur Herstellung von Schrauben und Gewindebolzen. Der Bolzendurchmesser entspricht dabei dem späteren Gewindedurchmesser. Für das Schneiden von Außengewinden benötigst du nicht viel Werkzeug. Erforderlich sind nur ein Schneideisen und ein Schneideisenhalter. Setze das Schneideisen in die vorgesehene Halterung ein. Achte dabei darauf, dass die Löcher für die Verschraubung an der richtigen Stelle sitzen.

Das Schneiden von Außengewinden scheint wesentlich einfacher als das von Innengewinden zu sein, weil die verwendeten Schneideisen nur eine sehr geringe Bruchgefahr aufweisen. Trotzdem werden Außengewinde oft verschnitten. Die Ursache hierfür ist das Verkanten beim Ansetzen des Schneideisens. Daran ändert übrigens auch ein langer schräger Anschliff des Bolzens – wie es oft empfohlen wird – wenig. Auf Nummer sicher gehst du mit Führungshülsen. Sie werden zusammen mit dem Schneideisen in den Halter eingesetzt und sorgen für eine rechtwinklige Führung beim Aufsetzen auf den Bolzen.

Vor dem Schneiden des Gewindes solltest du das Schneideisen gut mit Öl benetzen. Drehe es nach jeder vollen Umdrehung eine halbe Umdrehung zurück. Dadurch brechen anfallende Späne ab. Ob dein neues Gewinde funktioniert, kannst du ganz leicht mit einer passenden Mutter überprüfen.

Außengewinde lassen sich auch gut auf der Drehbank schneiden. Dadurch erhältst du einen präziseren Gewindeanschnitt am Werkstück und eine bessere Qualität des Gewindes.


Gewindestangen und Schrauben richtig kürzen

Mann kürzt eine Gewindestange

Manchmal kommt es vor, dass du Gewindestangen oder lange Schrauben kürzen musst. Um das Gewinde nicht zu beschädigen, empfiehlt sich folgende Vorgehensweise:

  • Schraube das Schneideisen oder eine Mutter großer Härte (Festigkeitsklasse 10,9 oder höher) auf das Gewinde auf
  • Trenne dann das Ende des Gewindes hinter der Mutter ab.
  • Schleife und feile anschließend die Trennstelle sauber.
  • Drehe nun das Schneideisen oder die Mutter wieder heraus.

Spezialfall: Gewinde in Rohre schneiden

Gewinde in Rohren

Zum Schneiden von Gewinden in Rohren kommen in der Regel spezielle Schneidkluppen zum Einsatz. Für jeden Rohrdurchmesser gibt es die passende Schneidkluppe. Sie können entweder elektrisch oder manuell angetrieben werden. Handbetriebene Sätze sind bereits ab 40 Euro erhältlich. Vergiss auch hier nicht das passende Schneidöl!


Gewinde in Edelstahl und Alu schneiden

In einen Stahlträger wird ein Gewinde geschnitten

Für Edelstahl gibt es spezielle Schneideisen und Gewindebohrer. Zudem benötigst du ein hochwertiges Schneidöl mit sehr guten Kühleigenschaften. Beachte: Je höher die Qualität des Kühlmittels, desto besser lässt sich das Gewinde schneiden. Verwendest du dabei eine Maschine, musst du die Legierung genau kennen. Sie bestimmt den Vorschub und die Drehzahl. Exakte Werte findest du in einem Tabellenbuch für Metalle. Ähnliches gilt für das Schneiden von Gewinden in Aluminium. Als Kühlmittel kannst du hier Spiritus verwenden.

Beim Gewindeschneiden von Edelstahl und Aluminiumlegierungen ergeben sich häufig raue Gewindegänge. Dies kann später zum „Festfressen“ der Mutter führen. Ein Lösen ist dann meist nicht mehr möglich. Behandle Schraubverbindungen deshalb vor dem Festziehen mit etwas Schmiermittel. Bienenwachs ist bestens geeignet. Sollte eine Sicherung der Schraubverbindung notwendig sein, empfiehlt es sich, die Stelle zu kleben. Als Klebstoff kommen anaerobe Dichtkleber zum Einsatz.


Gewinde in Holz schneiden

Großaufnahme eines Holzgewindes

Schneidsätze für Holzgewinde werden manuell mit einem Windeisen angetrieben. Doch nicht in jede Holzart lässt sich problemlos ein Gewinde schneiden. Besonders geeignet sind Weißbuche, Ahorn, Rotbuche oder Nussbaum.

Die Vorgehensweise beim Schneiden eines Innengewindes ist ähnlich wie bei Metall:

  • Zuerst muss ein Kernloch gebohrt werden. Der Durchmesser ist abhängig von der späteren Gewindegröße. Entferne danach gründlich alle Späne.
  • Benetze die Schneidflächen des Gewindebohrers sorgfältig mit Öl. Du kannst dafür beispielsweise Leinöl verwenden.
  • Setze den Gewindebohrer rechtwinklig auf dem Bohrloch an und drehe ihn langsam ins Holz. Hat er gegriffen, zieht er sich selbstständig tiefer ins Holz.
  • Bei langen Gewinden empfiehlt es sich, den Gewindeschneider mehrfach aus dem Bohrkanal zu entfernen, um die Holzspäne auszublasen.

Außengewinde schneidest du mit speziellen Schneidkluppen, die du auf dem Holzstab ansetzt und unter stetem Druck tiefer in das Holz drehst.


Innen- und Außengewinde nachschneiden

Mann schneidet altes Gewinde nach

Alte oder verrostete Innen- und Außengewinde lassen sich auch ganz einfach nachschneiden bzw. reparieren. Stelle vorher sicher, dass sich kein Sand in den Gewindegängen befindet. Da Sandkörner sehr hart sind, würden sie die Schneiden des Gewindebohrers beschädigen. Wasche das Gewinde deshalb gut mit Waschbenzin oder ähnlichem aus.

Zum Nachschneiden eines Innengewindes verwendest du am besten Handgewindebohrer, um einen Versatz zu vermeiden. Setze die Gewindebohrer exakt im bereits vorhandenen Gang an und lass dich von ihm führen. Auch hier gilt: Gehe ruhig und behutsam vor!

Beschädigte Außengewinde kannst du gut mit einer Gewindefeile nachbearbeiten. Sie besitzt verschiedene Steigungen, die den unterschiedlichen Gewinden entsprechen. Durch die Feilbewegungen formst du das Gewinde neu aus. Sind die Beschädigungen nicht zu stark, kannst du ein altes Außengewinde auch mit einem Schneideisen nachschneiden.

Egal ob es sich um ein Außen- oder Innengewinde handelt: Fehlt Material, wird das nachbearbeitete Gewinde nie wieder denselben Kraft- und Formschluss erreichen wie ein neues Gewinde.


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