Kupferrohre werden mit Schaumstoff isoliert.
Ratgeber
Inhalt:
Schwierigkeitsgrad: leicht
Dauer: 5–15 Minuten pro Rohrmeter
Material: Dämmschalen, Spezialstücke für Ventile und Ecken, Endmanschetten (bei Mineralwolle), Isolierband, Messschieber, Zollstock oder Maßband, Stift, Dämmstoffmesser oder Cutter, eventuell Gehrungslade

Eine sorgfältig ausgeführte, rundum geschlossene Wärmedämmung hilft dabei, den Energieverbrauch und damit die Heizkostenrechnung zu senken. Für die meisten Hausbesitzer ist jedoch nach dem Dämmen der Fassade und der Dachdämmung von innen Schluss. Dabei gehören offen liegende Rohrleitungen zu den größten Schwachstellen im Haus was Wärme & Energie betrifft. Die gute Nachricht: Das Isolieren von Heizungsrohren kostet nicht viel und ist schnell gemacht. In diesem Beitrag erfährst du, wie du vorgehst und was es bei der Rohrisolierung zu beachten gilt.


Warum lohnt es sich, Heizungsrohre zu dämmen?

Isolierte Heizungsrohre in einem Keller.

Die Heizungsrohre sind ein zentraler Bestandteil des Heizungssystems, denn sie transportieren das warme Wasser vom Heizkessel bis zu den Heizflächen und Wasserhähnen. Sind sie ungedämmt, werden sie selbst zu Heizflächen, und die Wärme kommt nicht mehr dort an, wo sie gebraucht wird.

Je höher der Temperaturunterschied zwischen Heizungsrohr und Raumluft, desto höher sind die Wärmeverluste: In unbeheizten Bereichen wie Keller oder Technikraum gehen im Jahr bis zu 200 kWh pro Rohrmeter verloren. Kein Wunder, dass in vielen älteren Gebäuden die Heizung auf Hochtouren läuft, damit auch im Obergeschoss warmes Wasser ankommt. Werden die Heizungsleitungen isoliert, lassen sich die Wärmeverluste um bis zu 70 % reduzieren. Oft rechnet sich die Investition bereits nach der ersten Heizperiode.

Doch das ist nicht der einzige Grund, der für die Dämmung der Heizungsrohre spricht: Die Ummantelung reduziert Schwingungen in den Rohren und trägt damit zum Schallschutz bei.

Sind in deinem Haus die Nischen hinter den Heizkörpern ungedämmt, solltest du auch diese isolieren. Im Handel gibt es spezielle Dämmstoffmatten und -platten, die luftdicht an der Wand angebracht werden. Die beschichtete Seite der Isolierung muss dabei zum Heizkörper zeigen. Sie sorgt dafür, dass die Heizungswärme in den Raum reflektiert wird.

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Welche Vorschriften gelten für die Isolierung von Heizungsrohren?

Mehrere isolierte Heizungsrohre nebeneinander.

Nach § 71 des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) gilt für Besitzer von Ein-, Zwei- und Mehrfamilienhäusern eine Nachrüstpflicht zur Rohrdämmung: Alle Warmwasser- und Heizungsrohre sowie zugehörige Armaturen müssen isoliert werden, wenn diese in einem unbeheizten Raum, etwa im kalten Keller, verlaufen und zugänglich sind. Die Dicke der Isolation richtet sich nach dem Innendurchmesser des Rohrs:

  • bis 22 mm: Dämmstärke mindestens 20 mm
  • bei 22–35 mm: Dämmstärke mindestens 30 mm
  • bei 25–100 mm: Dämmung muss mindestens so dick sein wie der Innendurchmesser des Heizungsrohrs
  • über 100 mm: Dämmstärke mindestens 100 mm

Die gesetzlichen Vorgaben beziehen sich auf Dämmstoffe mit einer Leitfähigkeit von 0,035 W/mK (Einheit der Wärmeleitfähigkeit: Watt pro Meter und Kelvin). Besitzt das Material eine geringere Wärmeleitfähigkeit, kann die Dämmstärke reduziert werden.


Welches Material eignet sich zum Isolieren von Heizungsrohren?

Nahaufnahme einer mehrschichtigen Isolation eines Rohres.

Bei der Dämmung einer Rohrleitung hast du die Wahl zwischen verschiedenen Dämmmaterialien und Systemen. Welche Isolierung für Heizungsrohre die richtige ist, hängt in erster Linie vom Einsatzort ab. Wichtige Entscheidungskriterien sind:

  • Temperaturbeständigkeit: Welchen Temperaturen muss die Dämmung standhalten?
  • Brandschutz: Ist das Material entflammbar? Beachte auch die gesetzlichen Vorgaben.
  • Wärmeleitfähigkeit: Reicht die Dämmleistung hinsichtlich der gesetzlichen Vorschriften aus? Generell gilt: Je niedriger die Wärmeleitfähigkeit, desto besser dämmt das Material.
  • Handhabung: Gibt es viele Abzweigungen und Richtungsänderungen im Rohrsystem? Wie biegsam ist das Material?
  • Preis: Wie gut ist das Preis-Leistungs-Verhältnis?

Gut zu wissen: Da sich die Hersteller an den Vorschriften des GEG zur Wärmeleitfähigkeit orientieren müssen, erreichen alle gängigen Materialien zum Isolieren von Heizungsrohren eine vergleichbare Dämmleistung. Die Produkte sind entsprechend gekennzeichnet.

Kunststoff: preiswerte Isolierung für Heizungsrohre

Isolierungen aus Kunststoff (Polyethylen oder Polyurethan) sind günstig und leicht zu handhaben. In der Regel werden sie als Schläuche mit Schlitz und Klebestreifen angeboten. Das Material ist schwer entflammbar, aber nicht hochtemperaturbeständig. Für Solarthermieleitungen, die bis zu 160 °C erreichen können, ist es deshalb ungeeignet. Zudem lassen sich die Schaumstoffschläuche nicht biegen. Kunststoffisolierungen werden vorrangig bei geraden und leicht zugänglichen Rohrleitungen eingesetzt. Für Biegungen, Ecken und Ventile müssen die Schläuche gegebenenfalls mit Gehrungsschnitt zugesägt werden. Es gibt aber auch vorgefertigte Formstücke zu kaufen.

Kautschuk: flexibel und widerstandsfähig

Etwas teurer sind Dämmschalen und geschlitzte Schläuche aus Natur- oder Kunstkautschuk. Das Material bietet jedoch zwei entscheidende Vorteile: Zum einen erweist es sich als sehr elastisch und eignet sich damit gut für Biegungen, Ecken und verwinkelte oder schwer zugängliche Rohrsysteme. Zum anderen ist Kautschuk schwer entflammbar und hochtemperaturbeständig, sodass auch Solarthermieleitungen damit gedämmt werden können.

Mineralwolle: extrem hitzebeständig

Die teuerste Variante zum Dämmen von Heizrohren sind Schläuche aus Mineralwolle. Üblicherweise werden die Fasern mit Aluminium beschichtet. Die Schläuche sind meist geschlitzt und müssen einfach nur um die Heizungsrohre gelegt werden. Da sich bei der Verarbeitung Fasern lösen und die Haut reizen könnten, solltest du unbedingt Handschuhe und langärmelige Kleidung tragen. Mineralwolle ist nicht brennbar und hält sehr hohen Temperaturen bis 250 °C stand. Damit eignet sich das Material hervorragend zur Dämmung von Solarthermieleitungen. Allerdings sind die Schläuche nicht biegsam. Wie Kunststoffisolierungen finden sie vor allem bei gerade verlaufenden Rohrsystemen Verwendung.

Ökologische Dämmung für Heizungsrohre

Neben den klassischen Rohrdämmungen gibt es noch eine Reihe von ökologischen Materialien, die sich für die Ummantelung von Heizungsrohren eignen. Dazu zählen Flachs, Hanf, Holzfasern, Kork, Wolle und Zellulose.


Tipps zum Dämmen von Heizungsrohren

Isolierte Rohre in einem Rohbau.
  • Je größer der Durchmesser des Heizungsrohrs und je höher der Durchfluss, desto besser und dicker sollte die Dämmung ausfallen.
  • Isoliere jedes Heizungsrohr einzeln. Ansonsten könnten Vor- und Rücklauf der Heizung Wärme austauschen.
  • Dämme auch die Kaltwasserleitungen. Gerade in der warmen Jahreszeit setzt sich an den Außenseiten der Rohre oft Kondenswasser ab. Geht dieses auf die dahinter liegenden Wände über, kann sich Schimmel bilden. Sind die Wände bereits feucht, ist schnelles Handeln gefragt. Mehr zum Thema erfährst du im Artikel Feuchte Wände trockenlegen.
  • Die Isolierung sollte dicht am Heizrohr anliegen, damit die Wärme nicht über Zwischenräume abtransportiert werden kann.

Anleitung: So isolierst du deine Heizungsrohre

Am besten nimmst du die Dämmung im Sommer vor, wenn die Heizung nicht läuft. Andernfalls musst du die Anlage vorübergehend deaktivieren. Warte mit den Arbeiten, bis die Rohre vollständig abgekühlt sind.

Schritt 1: Heizungsrohre ausmessen und Materialbedarf ermitteln

Zunächst musst du den Bedarf an Dämmmaterial ermitteln. Miss dafür mit dem Maßband oder Zollstock die Länge der Rohre. Addiere die Maße und runde dabei entsprechend auf. So hast du Reserven für den Verschnitt. Bestimme dann mit dem Messschieber den Durchmesser der Heizungsrohre. Du kannst auch das Maßband benutzen und den gemessenen Wert durch 3,14 teilen.

Prüfe auch die Abstände zwischen den Heizungsrohren sowie zur Wand: Es kann sein, dass sich die gewünschte Isolation gar nicht anbringen lässt, weil zu wenig Platz ist.

Schritt 2: Dämmmaterial zuschneiden

Miss die Dämmschläuche oder -schalen ab und schneide sie mit einem Dämmstoffmesser oder einem Cutter zu. Die Stücke sollten später genau auf Stoß liegen. Ist das Material noch nicht eingeschlitzt, musst du es selbst der Länge nach auftrennen.

Schritt 3: Dämmschläuche oder -schalen anlegen

Stülpe die Dämmung über die Heizungsrohre. Verschließe die Öffnung mit dem Klebestreifen. Kunststoffisolierungen ohne Klebelasche schließt du mit Isolierband. Drücke sie dabei gut zusammen.

Schritt 4: Ecken, Rundungen und Hindernisse dämmen

Dämmungen aus Kautschuk lassen sich meist problemlos um Ecken oder Biegungen legen. Isolierungen aus Kunststoff oder Mineralwolle musst du zuschneiden. Am einfachsten geht das mit einer Gehrungslade.

  • Radius von mehr als 5 cm: Schneide drei Keile im 30°-Winkel in die Schale. Je nach Abstand der Kerben lässt sich die Schale an jeden Radius anpassen.
  • Radius von 2–5 cm: Schneide zwei Keile im 45°-Winkel in die Schale.
  • Radius kleiner als 2 cm: Schneide einen 90°-Keil aus der Schale. Achte darauf, dass du die Schale nicht komplett durchtrennst. Du kannst auch zwei Schalen im 45°-Winkel zuschneiden. Lege diese anschließend über die Heizungsrohre und verbinde die Kanten.
  • T-Abzweigung: Schneide aus der Unterseite einer Schale ein Loch mit dem Durchmesser der Dämmschale heraus. Schiebe die Schale des abgehenden Rohrs möglichst nah an die Aussparung heran.

Alternativ kannst du auch spezielle Eck- und T-Verbindungselemente nutzen. Armaturen und Ventile isolierst du am besten mit Spezialschalen.

Schritt 5: Offene Stellen verkleben

Schließe nun alle Öffnungen und Anschlussstellen. Schiebe dazu die Schalen oder Schläuche auf den Heizungsrohren eng aneinander und umwickle die Nahtstellen großzügig mit Isolierband. Achtung: Jede Lücke verringert später die Dämmwirkung.

Hast du die Heizungsrohre komplett isoliert, kannst du sie anschließend verkleiden. Viele Tipps und Ideen findest du im Ratgeberartikel Rohre verkleiden.


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