Wände selber tapezieren: Schritt für Schritt zur neuen Tapete

Bist du gerade eingezogen oder möchtest einfach frischen Wind in deine Wohnung bringen, bietet dir Tapezieren zahlreiche Möglichkeiten. Neue Tapeten schaffen eine ganz andere Wohnatmosphäre. Wir verraten dir, was du beachten solltest, wenn du eine Wand tapezieren möchtest.

Hast du vielleicht schlechte Erfahrung beim Tapezieren gemacht und gibst die Arbeit künftig lieber aus der Hand? Dann hole dir professionelle Unterstützung und lass unsere fachkundigen Handwerker deine Wände tapezieren.


Schwierigkeitsgrad: Mittel

Dauer: Drei bis vier Stunden je nach Wandfläche

Werkzeug: Abdeckfolie bzw. -vlies, Quast, Stachelwalze, Zollstock, Spachtel, Lot oder Wasserwaage, Tapeziertisch, Tapeziermesser, Nahtrolle, Gummirolle, Tapetenlöser, Haftgrund, Spachtelmasse, Kleister


Selber Tapezieren: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

In unserer Anleitung erklären wir dir Schritt für Schritt, wie du Wände und Decken selbst tapezieren kannst, welches Zubehör du dafür benötigst und was dabei zu beachten ist.

Tipp: Vor dem Tapezieren solltest du den Materialbedarf ermitteln. Miss dazu zunächst die Höhe und die Breite des Raumes. Um den Bedarf für die Decke zu ermitteln, multiplizierst du einfach die Raumlänge und -breite miteinander. Den Materialbedarf für die Wände berechnest du, indem du alle Wandlängen zusammenzählst und mit der Raumhöhe multiplizierst. Bei der Raumhöhe solltest du 10 bis 15 Zentimeter für den Verschnitt hinzurechnen. Hast du dich für eine Tapete mit aufwendigem Muster entschieden, solltest du vorsichtshalber etwas mehr einplanen. Da sie immer einen Versatz aufweisen, kannst du sie nicht einfach nebeneinander platzieren, wenn die Musterung sauber zusammengefügt sein soll. Tür- und Fensteröffnungen solltest du nicht abziehen – dadurch hast du eine zusätzliche Reserve.


Schritt 1: Den Raum vorbereiten

Um möglichst flächig tapezieren zu können, solltest du die Abdeckungen der Steckdosen und Lichtschalter sowie die Fußleisten entfernen. Stromkabel kannst du mit einer sogenannten Listerklemme sichern. Achtung: Denke unbedingt daran, die Sicherung herauszunehmen.

Im Idealfall sollte der Raum zum Tapezieren weitestgehend leer sein. Empfindliche Möbel und Böden deckst du besser mit Folie bzw. Abdeckvlies ab.


Schritt 2: Alte Tapete entfernen

Sind Wand und Decke bereits tapeziert, musst du vor dem erneuten Tapezieren zunächst die alte Tapete entfernen. Dazu kannst du einen mit Wasser verdünnten Tapetenlöser verwenden. Mische diesen gemäß Herstellerangaben an und trage ihn mit einem Quast auf. Dieser lässt den Tapetenlöser besser einwirken. Wiederhole den Vorgang nach einigen Minuten. Wenn die alte Tapete mit einer latexhaltigen Farbe gestrichen wurde, solltest du sie vor dem Einweichen mit einer Stachelwalze vorbehandeln. Mit einem Spachtel kannst du dann die alte Tapete entfernen.

Tipp: Vliestapeten lassen sich in der Regel einfacher entfernen als herkömmliche Papiertapeten. Nach der Einwirkzeit kannst du sie meist Bahn für Bahn von der Wand ziehen. Ist das nicht der Fall, wickelst du die Bahn am oberen oder unteren Ende auf eine Leiste und ziehst gleichmäßig an der Tapete, während ein Helfer vorsichtig mit einem Spachtel nachhilft. Ist es dir wichtig, dass sich die Tapeten später einfach entfernen lassen, empfehlen wir dir das Tapezieren von Vliestapeten.


Schritt 3: Untergrund vorbereiten

Vorm Tapezieren muss der Untergrund vorbereitet werden. Reinige ihn zunächst gründlich und fülle Risse und Löcher mit Spachtelmasse aus. Gröbere Unebenheiten kannst du mit einem Bandschleifer abschleifen, um eine ebene Fläche zu erhalten. Besteht die Wand aus sandigem oder stark saugfähigem Material, solltest du sie vor dem Tapezieren mit Tiefengrund grundieren. Solch eine Grundierung sorgt dafür, dass eine Haftbrücke zwischen Wand und Tapete entsteht. Warte, bis der Untergrund vollständig getrocknet ist, um ein Ablösen der Tapete zu verhindern.


Schritt 4: Tapete zuschneiden

Beim Zuschneiden legst du die Tapetenbahnen glatt auf einem Tapeziertisch exakt übereinander und schneidest sie mit einem Tapeziermesser auf die Länge der Raumhöhe plus 10 Zentimeter zu. Achte beim Zuschnitt auf die Musterung, falls die Tapete eine hat. Sie sollte beim eigentlichen Tapezieren in die gleiche Richtung verlaufen.


Schritt 5: Tapetenbahnen einkleistern

Von der Mitte zu den Rändern hin wird der Kleister gleichmäßig und nicht zu sparsam aufgetragen. Oben schlägst du die Tapete zu zwei Drittel, unten zu einem Drittel um und lässt sie ca. 5 bis 15 Minuten einweichen. Achte darauf, dass keine scharfen Knicke entstehen. Mietest du eine Kleistermaschine, kannst du mit dieser die Bahnen auch direkt zuschneiden. Hierbei solltest du aber nie mehr als zwei Bahnen gleichzeitig bearbeiten. Wie bereits erwähnt, unterscheidet sich das Vorgehen bei Vliestapeten etwas. Verwendest du Vliestapeten, trägst du den Kleister direkt auf die Wand auf, setzt die Tapete an und rollst sie ab. Das Zuschneiden kannst du direkt an der Wand vornehmen.

Tipp: Der Kleister ist beim Tapezieren nicht unerheblich. Gib ihn langsam und unter stetigem Rühren in einen Eimer mit kaltem, klarem Wasser. Halte dich dabei an das vom Hersteller vorgegebene Mischverhältnis und die entsprechende Quellzeit. Bevor du mit dem Tapezieren beginnst, solltest du den Kleister noch einmal gründlich umrühren. Für schwere Präge- und Strukturtapeten solltest du Spezialkleister verwenden. Bei ihm sorgt der Anteil an Kunstharz dafür, dass sich die schweren Bahnen nicht von der Wand lösen. Möchtest du eine Wand mit Raufaser tapezieren, solltest du ebenfalls speziellen Kleister verwenden, der auch bei einem späteren Anstrich der Tapete hält.


Schritt 6: Decken tapezieren

Willst du außer den Wänden auch die Decke tapezieren? Dann solltest du dir definitiv Hilfe holen. Lege die Tapete in Schlaufen zusammen. Natürlich werden nur die Kleisterflächen aufeinander gelegt, die Oberseite der Tapete sollte trocken bleiben. Eine Person setzt das eine Ende der Bahn mit ca. zwei Zentimeter Überstand an der Raumkante an, und die andere Person hält die Tapete mit einem Besenstiel oder Ähnlichem in die Höhe. Jetzt kann die Tapete nach und nach glatt an die Decke gestrichen werden. Beim Tapezieren schaffst du einen perfekten Übergang zwischen Decke und Wand, indem du die Wandtapeten über den Überstand der Deckentapete genau auf die Raumkante tapezierst.


Schritt 7: Die erste Tapetenbahn ausrichten

Die Ausrichtung der ersten Bahn beeinflusst den Verlauf aller folgenden Bahnen. Benutze ein Lot oder eine Wasserwaage, damit die erste Bahn gerade wird. Fange eine Bahnbreite neben dem Fenster an, zu tapezieren, und arbeite dich von dort nach innen vor (bewege dich also vom Fenster weg). Hintergrund: Wenn du in Richtung des Lichteinfalls tapezierst, lassen sich unschöne Schatteneffekte vermeiden.


Schritt 8: Kleben und Glätten der Tapeten

Die Bahnen werden auf Stoß geklebt, d. h. ohne Überstand und ohne Fuge. Mithilfe einer Gummirolle kannst du sie von oben nach unten und von der Mitte nach außen glätten und so gleichzeitig überschüssigen Kleister ausrollen. Falls es Überstände gibt, drückst du diese fest in die Ecken, ziehst sie wieder ab und schneidest sie mit einem Tapeziermesser entlang des entstandenen Falzes ab. Dazu kannst du auch ein Kantenlineal verwenden. Da eingeweichte Tapeten leicht einreißen, ist dabei Vorsicht geboten.


Schritt 9: Anschlussnähte andrücken

Wenn du eine ungeprägte und flache Tapete verwendest, kannst du die Anschlussnähte mit einer Nahtrolle vorsichtig andrücken und dadurch glätten.


Schritt 10: Tapezieren um die Fenster

Um Fensternischen perfekt zu tapezieren, schneidest du die Tapetenbahn in der Höhe der Fensterbank und der Fensteroberkante mit leichtem, schrägem Überstand ein und klappst diesen in die Nische. Dann kannst du den Überstand mit einer Schere exakt auf die Fensterkante zuschneiden.


Schritt 11: Steckdosen und Lichtschalter tapezieren

Die Steckdosen und Lichtschalter tapezierst du erst einmal einfach mit und schneidest dann mit einer Schere durch einen Kreuzschnitt eine Öffnung. Wichtig: Achte darauf, dass die Sicherung raus ist, wenn du über die Steckdose tapezierst und später mit der Schere in Steckdosennähe hantierst.


Schritt 12: Tapezieren in Nähe der Heizung

Um auch hinter dem Heizkörper zu tapezieren, schneidest du die von oben begonnene Bahn auf die Breite der Heizkörperbefestigung zu und schiebst die Tapete vorsichtig hinter den Heizkörper. Alternativ kannst du die Tapete am Heizkörper enden lassen und die Wand dahinter mit Dispersionsfarbe streichen.


Schritt 13: Dekoration anbringen

Zur individuellen Dekoration der Tapete gibt es eine große Auswahl an Bordüren und Zierprofilen.


Welche Tapete ist die richtige?

Die Auswahl an Tapeten ist groß. Sie unterscheiden sich hinsichtlich Design und weiteren Merkmalen. Einige Tapeten lassen sich besonders einfach verarbeiten und erleichtern damit das Tapezieren für Anfänger. Am häufigsten verwendet werden:

  • Raufasertapeten: Der Klassiker unter den Tapeten besitzt je nach Ausführung eine mehr oder weniger raue Oberfläche. Raufasertapeten sind relativ günstig und lassen sich mehrfach überstreichen, ohne porös zu werden oder sich abzulösen. Ein Grund dafür, dass du sie nicht nur für die Wand, sondern auch sehr gut zum Tapezieren der Decke einsetzen kannst.
  • Papiertapeten: Sie sind in vielen unterschiedlichen Designs erhältlich. Grundsätzlich gilt: Je höher das Gewicht, desto höher die Qualität. Besonders hochwertig ist beispielsweise die mehrschichtige Duplexvariante. Das Tapezieren einer Papiertapete ist im Vergleich etwas aufwendiger. Sie muss zuerst eingekleistert werden und vor dem Anbringen einige Minuten einweichen.
  • Vinyltapeten: Sie bestehen aus einem mehrschichtigen Träger aus Papier oder Vlies, der mit einer Vinylschicht versehen wurde. Da die Tapeten aufgrund dieser Beschichtung sehr strapazierfähig sind und man Verschmutzungen leicht von ihnen abwischen kann, sind sie eine gute Wahl zum Tapezieren von Küche und Badezimmer. Vinyltapeten solltest du nach dem Einkleistern einrollen, damit sich während der Einweichzeit vor dem Tapezieren nicht die Kanten aufstellen.
  • Vliestapeten: Da sie ebenfalls leicht zu verarbeiten sind, eignen sich auch Vliestapeten gut, um das Tapezieren für Anfänger zu vereinfachen. Sie werden mit der sogenannten Wandklebetechnik direkt auf die zuvor eingekleisterte Wand aufgebracht. Eine Einweichzeit musst du bei Vliestapeten nicht abwarten. Du kannst sie auch problemlos für das Tapezieren von Nassbereichen einsetzen.

Tipp: Achte schon beim Kauf der Tapeten darauf, dass die Rollen identische Fertigungsnummern haben. So lassen sich unschöne Farbunterschiede innerhalb eines Raumes verhindern.

Wir helfen dir gern dabei, die richtige Tapete für deine speziellen Wünsche und Anforderungen zu finden – und geben dir auch Tipps zum jeweiligen Produkt. Hast du vielleicht schlechte Erfahrung beim Tapezieren gemacht und möchtest die Arbeit künftig lieber anderen überlassen? Dann hole dir professionelle Unterstützung und lasse unsere fachkundigen Handwerker deine Wände tapezieren.


Tapezieren oder doch lieber Streichen?

Fragst du dich, ob es ausreicht, die Wände zu streichen, oder ob doch eine neue Tapete angebracht ist? Abgesehen von Designgründen solltest du bei deinen Überlegungen auch berücksichtigen, ob die alte Tapete beispielsweise schon mehrfach überstrichen wurde. Ist das der Fall, kannein erneuter Anstrich dazu führen, dass sich die Tapete von der Wand löst. Teste am besten an einer verdeckten Stelle, ob sich die Tapete überstreichen lässt. Ist sie ganz offensichtlich schon mehrmals überstrichen worden, solltest lieber komplett neu tapezieren.


Expertentipp: Tapezieren im Winter

Möchtest du im Winter tapezieren, solltest du den Raum auch dann heizen, wenn er gerade nicht genutzt wird. Achte darauf, dass die Zimmertemperatur konstant bei 18 bis 20 Grad Celsius liegt, damit die Tapeten richtig trocknen können. Ist die Raumtemperatur zu hoch oder herrscht Zugluft, kann der Trocknungsprozess zu schnell verlaufen. Ist sie zu niedrig, dauert er mitunter zu lange an. Beides kann dazu führen, dass die Tapete sich verzieht.

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