Schädlingsbefall im Garten oder auf dem Balkon ist ärgerlich und kann viel Arbeit machen. Trotzdem sollte man nicht direkt zur „chemischen Keule“ greifen, die oft negative Umweltauswirkungen oder auch Risiken für die Gesundheit zur Folge haben kann. Die Natur hat oftmals die besten Mittel gegen Schädlingsbefall. Über lange Zeit hat sich ein natürliches Gleichgewicht zwischen Schädlingen und Nützlingen herausgebildet, das man für die Schädlingsbekämpfung im Garten nutzen kann. Die folgende Zusammenfassung beschreibt, wie man nützliche Tiere im Garten fördern kann, um ohne „chemische Keule“ gegen Schädlinge vorzugehen.

Weitere Tipps rund um das Thema Nützlinge findest du in unserem Selbermachen-Bereich sowie auch in unserem Selbermacher-Magazin, dass du dir bei deinem nächsten Besuch im toom Baumarkt kostenlos mitnehmen kannst. 

Hier findest du außerdem einen Überblick, wie du Nützlingen Schutz und Nistmöglichkeiten anbieten kannst plus eine Anleitung zum Anlegen eines Holzkellers als Winterquartier.

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Was sind Nützlinge?

Kleiner Igel auf Moos

Die Einteilung von Tieren in Nützlinge und Schädlinge beruht ausschließlich auf dem Nutzen oder Schaden, den sie für den Menschen darstellen können. Frisst eine Schnecke zum Beispiel einen Salat im Garten, ist sie ein Schädling. Für den Menschen stellt somit der Igel, der die Schnecke frisst, einen Nützling dar. Insekten wie Wildbienen oder Faltenwespen sind ausschlaggebend dafür, dass wir eine reiche Obsternte haben, denn es sind vor allem die Insekten, die Blüten bestäuben. Sie gehören zu den wichtigsten Nützlingen. Je nach Tierart gibt es Nützlinge, die an Wasser oder an das Land gebunden sind.


Wie kann man Nützlinge im Garten schützen und fördern?

Dachbegrünung

Es gibt eine Reihe nützlicher Tiere, die uns im Garten beim biologischen Pflanzenschutz helfen, indem sie Schädlinge vertilgen. 

Die Förderung dieser Nützlinge ist Umweltschutz und vorbeugender Pflanzenschutz für den eigenen Garten, zudem macht es Freude, die Entwicklung der großen und kleinen Nützlinge zu beobachten. Dazu können verschiedene Kleinbiotope in den Garten integriert werden wie:

  • Teich, Bachlauf, Wasserfall, Tümpel mit Sumpfbeet
  • Trockenmauer, Steinhaufen, Steingarten, Totholzhaufen, Reptilienburg
  • Blumen- und Kräuterwiese, Wildblumenbeet, Wildwiese, Magerrasen
  • (Wild-)Hecke mit fruchttragenden Gehölzen und Unterbewuchs
  • Gehölze, Kletterpflanzen
  • Kiesgarten, Dachbegrünung

Hinweis: Falls Kinder Zugang zum Teich haben, müssen Vorsichtsmaßnahmen wie das Anbringen eines Zauns oder Gitters getroffen werden. Bitte informiere dich über eine Lösung zum Schutz von Kindern. Erste Tipps erhältst du in unserem Ratgeber Schwimmteich anlegen.


10 Dinge, die deinen Garten nützlingsfreundlich machen

Viele weitere Tipps rund um deinen Garten für Nützlinge geben dir unserer drei Experten im Video auf dem YouTube-Kanal von toom.

Gartennützlinge brauchen nicht gleich den ganzen Garten

Wildblumenbeet im Garten lockt viele Nützlinge an.

Jeder Garten, ja sogar jeder Balkon kann eine wunderbare Oase für unsere Nützlinge werden. Du kannst auch nur einen Teil deines Gartens entsprechend gestalten. Das gilt vor allem, wenn dein Garten auch Platz zum Spielen, Grillen und für die Haustiere bieten soll. Doch in jedem Garten findet sich auch ein Fleckchen für das ein oder andere nützlingsfreundliche Projekt, Überwinterungplätze für Insekten oder Igel, Nistgelegenheiten oder ein Wildblumenbeet. Wir zeigen dir drei Bereiche und die passenden Projekte dafür.

Holzkeller anlegen – Schutz vor Bodenfrost

Äste werden ins Loch gelegt.

Ein Holzkeller bietet Nützlingen Schutz, zum Beispiel vor Bodenfrost. Du benötigst dafür nicht mehr als einen Spaten und ein paar Äste, Wurzeln oder Baumstämme. So geht es:

1. Loch ausheben

Der richtige Platz für einen Holzkeller ist ein abgelegener, aber sonniger Teil deines Gartens, wo keine Kinder spielen. 1 x 1 Meter groß und 0,5 bis 1 Meter tief sollte das Loch sein, um dem Bodenfrost zu entgehen.

2. Mit Holz füllen

In das Loch stellst du unterschiedlich dicke Äste locker und senkrecht hinein. Darüber legst du Zweige, Wurzeln oder alte Baumstämme. Sollte das Holz mit der Zeit absacken, füllst du den Keller einfach wieder auf.

Holzkeller bauen: Anleitung

Der Begriff „Holzkeller“ sagt dir nichts? Kein Problem, wir zeigen dir was das genau ist und was dabei zu beachten ist.

Hecken und Sträucher als Vogelnahrung und Insektenparadies

Der erste Bereich betrifft die Umrandung deines Gartens oder auch nur eine kleinere Abtrennung wie zum Beispiel des Komposthaufens. Durch die Anpflanzung einer Blühhecke kann ein eigener Bereich mit sogenanntem Waldrandcharakter geschaffen werden. Es entsteht ein Kleinklima, das nützlich für alle Bewohner ist. Dadurch, dass der Boden der Hecken selten bearbeitet wird, können sich Insektenlarven wie auch -puppen in aller Ruhe entwickeln und später auch schlüpfen. Im Inneren der Hecken und im Übergang von Wiese zur Hecke, dem sogenannten Heckensaum, finden Insekten, Amphibien, Vögel und Kleintiere einen Lebensraum.

Wie du diese Projekte umsetzt, zeigen wir dir in unseren Ratgebern Blühhecke richtig einpflanzen und Staudengarten anlegen.

Wildblumenbeete und Feuchtbereiche für die Nahrungsvielfalt

Teich im Garten

Einen kleineren oder auch größeren Bereich in deinem Garten kannst du allein der Pflanzenwelt überlassen und eine bunte Blumenwiese oder ein Wildblumenbeet mit heimischen Blumen planen. Damit lockst du eine breitere Artenvielfalt an Insekten an und es entsteht eine Lebensoase für Nützlinge. Ganz neues Leben bringt auch ein Tümpel in deinen Garten. Gerade wenn es eine feuchte Ecke gibt, in der sich viele Pflanzen nicht wohl fühlen, bietet sich ein Nassbereich an. Schon ein ganz kleiner Tümpel lockt Wasserinsekten, Kröten und Libellen an. Ein Sumpfbeet bietet Platz für so wunderschöne Blumen wie die Sumpfdotterblume oder die Sumpfschwertlilie.

Wie du diese Projekte umsetzt, zeigen wir dir in unseren Ratgebern Bienenweide und Sumpfbeet anlegen.

Abgelegenen Stellen für Nützlingshotels

Rasen, eine Hecke und vielleicht ein Beet – daneben tut jedem Garten ein optisches Highlight gut. So ein Hingucker ist eine Reptilienburg. Sie gibt dem Garten mit seinen schönen Natursteinen und seiner Höhe einen weiteren optischen Akzent und bietet Tieren wie Eidechsen oder Wildbienen einen beliebten Unterschlupf.

Auf der anderen Seite hat fast jeder Garten hat einen Bereich, mit dem man nicht viel anzufangen weiß. Vielleicht liegt er hinter dem Haus oder außerhalb des unmittelbaren Blickfelds. Das ist die Chance für ein so ungewöhnliches, aber umso sinnvolleres Projekt wie den Holzkeller, einem Paradies für Käfer und kleinere Tiere.


An Wasser gebundene Nützlinge

Frosch der aus dem Wasser steigt

Ein Teich belebt jeden Garten. Er bietet den wichtigsten Nützlingen, den Vögeln, Trinkund Bademöglichkeit. Die Vögel ihrerseits fressen Wasserinsekten. In größeren Teichen kommen auch die sehr nützlichen Erdkröten vor, die dort laichen. Damit der Teich keine Todesfalle für Tiere wird, müssen Flachwasserzonen und Ausstiegshilfen (besonders für Igel) angelegt werden. Wenn sich in näherer Umgebung kein anderes Gewässer befindet, dauert die natürliche Besiedelung mit Teichbewohnern länger, sonst besiedelt sich ein Teich in Kürze von selbst. Bei einer Neuanlage sollte der Standort so gewählt werden, dass der Teich 4–6 Stunden besonnt ist. Auch sollten direkt neben dem Teich wegen Laubfalls keine Bäume oder Sträucher stehen. 

Wähle keinen zu kleinen Teich, da eine kleine Wassermenge bei Sonneneinstrahlung schnell stark erhitzt wird und sich so vermehrt Algen bilden. Die Mindestgröße sollte 4–5 m² sein, mit einer tiefsten Stelle von 1 m, um Überlebensmöglichkeiten von Amphibien und anderen Tieren im Winter zu steigern. Plane 1/3 der Fläche als Sumpfzone am Rand mit einer 20 cm großen Flachwasserzone ein, denn besonders in diesem Bereich entsteht ein Vermehrungsraum für an Wasser gebundene Kleintiere. Durch spezielle Wasserrandpflanzen werden zusätzlich Insekten angelockt, wie etwa Libellen. Sie erbeuten vor allem Fluginsekten wie Fliegen, Mücken, Schmetterlinge, Bienen, Wespen und auch kleinere Artgenossen. Einige Libellenarten leben nur in fließenden Gewässern (Bachläufe), andere in stehenden. Einige Arten legen Eier ausschließlich an bestimmten Pflanzen ab, z.B. die Grüne Mosaikjungfer in die Krebsschere.

Weißer Wasserhahnenfuß

Wichtig im Teich sind Unterwasserpflanzen wie Wasserhahnenfuß, Wasserfeder und Wasserpest, denn sie dienen vielen Tieren als Schutz und Versteck und zur Laichablage. Neben den üblichen Teichpflanzen sind Schwimmpflanzen wie Froschbiss, Krebsschere, Wassernuss sinnvoll, da sich nur in Teichen mit solch einer „Innenbegrünung“ der nützliche, insektenfressende grüne Wasser- und Teichfrosch einfindet. Frösche und Erdkröten überwintern inneroder außerhalb des Teiches und brauchen am Teichrand Deckung in Form von Höhlen (Blumentöpfe), Altholz, Steinhaufen oder Mauern. Erdkröten sind nachtaktive Landbewohner und fressen Schnecken, Würmer, Spinnen, Asseln und kleine Wirbeltiere. Sie können aus einer Entfernung von bis zu 5 km zuwandern, leben tagsüber in Erdlöchern, unter Steinen, Wurzeln (Totholzhaufen) und Mauerwerk. Zur Laichzeit im zeitigen Frühjahr ab 3 °C können sie auch tagaktiv sein und leben im Wasser.

In Teichen ohne Fischbesatz kommen auch Molche vor. Sie überwintern im Teich oder in der Nähe unter Steinen, Holz sowie geschützt unter Moos oder Rinde in der Erde. Molche sind über Nacht viel an Land unterwegs und fressen Insekten, Nacktschnecken und Würmer.


An Land lebende Nützlinge

Rotkehlchen auf einem Ast

Neben den Vögeln helfen uns insbesondere Igel beim Pflanzenschutz. Mit kleinen Maßnahmen kann man den sympathischen Stacheltieren helfen. Sie sind dämmerungs- und nachtaktive, frei lebende Wildtiere und ernähren sich von Regenwürmern, Schnecken, Insekten, Asseln, Vogeleiern und kleinen Wirbeltieren. Sie fressen allerdings auch Eidechsen, Schlangen und Frösche, Beeren und süßes Obst.

Igel benötigen Durchgänge zu anderen Gärten für ihre weiten Streifzüge. Das Wichtigste ist: kein Einsatz von Gift und „Kunstdünger“. Desweiteren benötigen Igel ein Rückzugsgebiet mit Unterschlupf. Aus ein paar zusammengelegten größeren Steinen oder Hölzern mit Zwischenräumen, über die Äste und viel Laub gedeckt werden, wird ein prima Überwinterungsquartier für die unter Naturschutz stehenden Igel. Besonders im Frühjahr, wenn sie aus dem Winterquartier kommen, oder auch im Herbst, bevor es in den Winterschlaf geht, kann man den Igeln mit Zufütterung (Igelfutter oder Katzenfutter) helfen. Zudem brauchen sie Wasser (keine Milch!) und solltest du einen Teich im Garten haben, sollten Rettungsplanken gelegt werden, damit die Tiere nicht ertrinken.

Die wichtigsten Helfer beim biologischen Pflanzenschutz allerdings sind Vögel. Und der beste Vogelschutz ist ein naturnah angelegter Garten.

Hierfür ist insbesondere die Auswahl der Gehölze von entscheidender Bedeutung für Zahl und Art der Vögel, die sich dort ansiedeln. Generell bevorzugen unsere heimischen Vögel auch einheimische Laubgehölze. Vögeln kann man generell mit Gehölzen helfen, in denen sie Nistmöglichkeiten und auch Nahrung vorfinden. Dazu geeignete Gehölze sind:

  • Gewöhnlicher Schneeball (Viburnum opulus)
  • Wolliger Schneeball (Viburnum lantana)
  • Mehlbeere (Sorbus aria)
  • Holunder (Sambucus nigra)
  • Heckenrose (Rosa canina)
  • Pfaffenhütchen (Euonymus europaeus)
  • Hartriegel (Cornus sanguinea)
  • Felsenbirne (Amelanchier ovalis)
  • Vogelbeere (Eberesche, Sorbus aucuparia)
Lila Distel

Für höhlenbrütende Vogelarten kann man Nistkästen aufhängen. Allerdings stellen die verschiedenen Vogelarten unterschiedliche Anforderungen an den Lebensraum und stehen untereinander in Konkurrenz, deshalb sollte man nicht zu viele und vor allem verschiedene Arten von Kästen aufhängen. Auch hier ist es am besten, sich fachkundig beraten zu lassen. Auch den Vögeln, die nicht in Höhlen, sondern frei brüten (z.B. Buchfink, Hänfling, Dompfaff, Gelbspötter und Neuntöter), kann man mit wenigen Handgriffen zu einem besseren Bruterfolg verhelfen, indem Kiefern- und auch Tannenzweige an Baumstämmen zu Nisttaschen zusammengebunden werden oder auch Zweige im oberen Strauchbereich, um so einen „Nistquirl“ zu erhalten (für Drossel, Hänfling, Girlitz, Distelfink und Heckenbraunelle).

Grasmücke, Zilpzalp und Zaunkönig bevorzugen dichtes Gestrüpp in Bodennähe. Ideal für solche freibrütenden Vögel ist ein Reisighaufen. Solch ein Haufen aus abgeschnittenem Strauch- und Baummaterial (Totholzhaufen) wird zudem von zahlreichen Insekten für ihre Entwicklung genutzt. Deshalb sollte man das Holz nicht verbrennen oder entsorgen, sondern in einer ruhigen Gartenecke aufstapeln, was durchaus sehr dekorativ in den Garten integriert werden kann.

Kontrovers wird unter Fachleuten derzeit die Ganzjahresfütterung von Vögeln diskutiert. Man sollte aber auf jeden Fall über den Winter Futter anbieten und kann außerdem helfen, indem man Stauden nicht im Herbst, sondern erst im Frühjahr zurückschneidet. Denn ausgereifte Samen sind Nahrung für viele Vögel. Zudem überwintern nützliche Insekten in den Pflanzenstängeln.

Gute Futterstauden sind: Disteln (Futterquelle für Distelfinken), z.B. Karde, Kugeldistel, Eselsdistel oder auch Nachtkerze, Wiesenwitwenblume (Knautia) oder Mädesüß. Wildstauden ernähren auch viele Insekten, die die Grundlage für die insektenfressenden Vögel sind. Dabei versorgen Wildpflanzen die Insekten- und damit die Vogelwelt um ein Vielfaches mehr als „Exoten".


Nutzinsekten

Biene auf einer Pflanze

Nur ein Bruchteil aller Blüten wird durch Honigbienen bestäubt. Den weitaus größten Anteil an der Bestäubung haben Wildbienen, Hummeln, Schwebfliegen und andere wilde Insekten. Bei uns in Deutschland gibt es über 600 verschiedene Wildbienenarten, zu denen auch Hummeln zählen. Sie sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Sie brauchen ein vielfältiges Nahrungsangebot. Dazu dienen die Blüten verschiedener Gehölze, die die ersten Nahrungsquellen für die aus dem Winterschlaf erwachten Königinnen sind: Obstbäume und Beerenobststräucher, aber auch Schneeheide, Purpurweide, Cotoneaster, Goldregen, Mahonie, Schneeball, Vogelkirsche und Weißdorn. Auch frühblühende Stauden sind hilfreich, wie Lerchensporn, Helleborus, Lungenkraut, Primeln oder Traubenhyazinthen.

Zu beachten ist, dass andere beliebte Zwiebelblumen kaum Nahrung bieten. Auch geeignet sind Beeteinfassungen mit Gamander, verschiedenen Salbei- und Ysopsorten, Schnittlauch sowie eine artenreiche Blumenwiese. Mit Stauden wie Flockenblumen, Akelei, Ehrenpreis, Fingerhut, Glockenblumen und Rittersporn kann die Nahrungslücke zwischen früh- und sommerblühenden Arten geschlossen werden. Ebenfalls gute Futterpflanzen sind Wildrosen, Klee, Storchschnabel, Bohnenkraut, Lavendel, Origanum, Melisse, Borretsch, Phacelia, Disteln und Fetthenne.

Aber auch vermeintliche „Unkräuter“ können hilfreich sein: Wachsen bei dir zufällig Brennnesseln im Garten, lass sie stehen! Für viele Schmetterlingsraupen ist sie eine sehr wichtige Nahrungsquelle.

Dass die Förderung von Insekten ein Stück gelebter Umweltschutz ist, zeigt ein Blick in die Rote Liste bedrohter Tierarten: Knapp 30 Prozent der heimischen Tiere aus der Gruppe der Insekten sind in ihrem Bestand unterschiedlich stark gefährdet. Köcherfliegen, Schmetterlinge, Libellen, Blattkäfer, Hirschkäfer, Bienen – ja sogar Eintagsfliegen –, sie alle gehören zu den bestandsgefährdeten Insekten.


Blütenstreifen zur Nützlingsförderung

Weiße Lichtnelke

Jedes Insekt hat andere Vorlieben an Futterpflanzen. Um ein möglichst vielfältiges Angebot an Insekten in den Garten zu locken, kann man kleine gemischte Blumenbeete oder auch Blütenstreifen anlegen. Die Pflanzen in solchen Blütenstreifen zur Nützlingsförderung sollen viele Nützlinge und möglichst keine Schädlinge anlocken. Einige „Läusepflanzen“ sind zum Anlocken aber durchaus erwünscht (Ackerbohnen, Weiße Lichtnelke, Borretsch), damit nachfolgend die Nützlinge angelockt werden und auch ein Futterangebot vorfinden. Nur so können sie sich vermehren und dann zur Stelle sein, wenn die Kulturpflanzen von Schädlingen befallen werden.


Insekten und ihre Futterpflanzen

Hummeln legen selbst ein ober- oder unterirdisches Nest an. Man kann ihnen mit einem „Hummelhotel“ (also einem Nistkasten) helfen, das z.B. bei toom fix und fertig angeboten wird. Während Hummeln ein kleines Volk gründen, leben die meisten Wildbienen allein (solitär). Jedes Weibchen baut sein eigenes Nest und versorgt den Nachwuchs allein und ohne Hilfe von Arbeiterinnen wie bei den Honigbienen. Die meist nur kurzlebigen Wildbienen geben ihren Eiern einen großen Vorrat an Pollen mit auf den Weg, der für die gesamte Larvenentwicklung ausreichend ist. Die Wildbienen selbst leben oft nur wenige Wochen, jedoch schlüpfen je nach Art mehrere Generationen pro Jahr.

Einige Arten nisten im Boden und bilden große Kolonien, bei denen ein Nest neben dem anderen liegt. Hierbei handelt es sich nicht um die aggressiven Erdwespen, sondern um spezielle Wildbienen, die trotz Stachels vollkommen harmlos sind und ihre Nester nicht verteidigen. Andere Arten mörteln Lehmnester ungeschützt an Steine, wieder andere nutzen für ihren Nachwuchs Käferfraßgänge in Totholz oder graben bzw. beißen die viele Zentimeter langen Niströhren selbst.

Den verschiedenen Wildbienenarten kann man helfen, indem man ihnen Nisthilfen anbietet. Damit werden auch unsere Gärten bereichert und interessante (und ungefährliche) Beobachtungsobjekte geschaffen. Zudem wird damit die Bestäubung und Befruchtung vieler Pflanzen (jegliches Obst, aber auch Fruchtgemüse) gefördert bzw. sichergestellt.

Marienkäfer auf gelben Blumen

Die unten aufgeführten Pflanzen sind für die Nützlingsförderung geeignet:

  • für Florfliegen: Borretsch, Phacelia, Senf
  • für Marienkäfer: Korbblütler*, Weiße Lichtnelke, Brennessel
  • für Schwebfliegen: Doldenblütler**, Korbblütler*, Buchweizen
  • für Schlupfwespen: Wilde Möhre, Kamille, Schafgarbe, Pastinake
  • für Spinnen: Natternkopf, Beinwell, Königskerze, Malven

* Korbblütler: Dazu gehören z.B. Ringelblumen, Sonnenblumen, Sonnenhut, Chrysanthemen, Astern, Tagetes, Disteln

** Doldenblütler: Dazu gehören z.B. Kerbel, Fenchel, Anis, Dill, Möhren, Kümmel, Liebstöckel, Petersilie, Schafgarbe


Nistgelegenheit in Stängeln

Wildbienen im Nest

Viele Wildbienenarten nisten in hohlen oder markhaltigen Stängeln wie denen von Brombeeren und Himbeeren, Rosen, Holunder, Sommerflieder, Königskerze, Herzgespann und Distelarten. Sinnvoll ist es, diese Stängel einfach stehen zu lassen und ihre Enden abzubrechen oder abzuschneiden, um den Bienen einen Einstieg zu ermöglichen. Oder das Schnittgut wird beim Rückschnitt im Spätwinter gesammelt, in etwa 12 cm lange Stücke geschnitten und gebündelt und so regengeschützt in einen Insekten-Nistkasten gestapelt.

Allerdings bevorzugen einige Arten, wie die häufig vorkommenden Masken- und Mauerbienen, durchaus senkrecht oder leicht schräg befestigte Stängel; Regen schadet hier nicht! Diese Stängel werden einzeln oder gebündelt und offen, also nicht im Gebüsch oder in Bäumen, aufgehängt und sollten jedes Jahr erneuert werden. Durchaus gut geeignet zum Nisten sind Schilfmatten, mit denen man ein Gartenhaus oder ein „Insektenhotel“ bedecken kann. Schilfhalme lassen sich auch dicht gepackt in Konservendosen oder Holzkästchen anbieten, wobei der Form und Größe keine Grenzen gesetzt sind. (Alte) Schilfmatten können auch in kurze Stücke zerschnitten und gebündelt als Insektenhotel dienen.

Eine weitere Möglichkeit ist, Stängel wie die von Schilf, Bambus, Brombeere und Holunder in Lochsteine zu stecken. Lochsteine haben den Vorteil, dass der Abstand zwischen ihren Löchern den Bienen die Orientierung erleichtert. Allerdings vermuten Meisen und Spechte hier oft eine leicht zugängliche Nahrungsquelle und ziehen die lockeren Halme und Stängel einfach heraus. Deshalb sollte man am besten die hinteren Stängelenden mit wasserfestem Holzleim bestreichen, bevor man sie in die Löcher steckt.


Nistmöglichkeiten in Totholz

Holzstücke mit Löchern

Aus totem Holz, also Holzklötzen, Baumscheiben oder Ähnlichem, lassen sich im großen wie im kleinen Maßstab gute Nistmöglichkeiten für Wildbienenarten wie Holzbienen basteln. Da Holzscheiben schnell reißen, sind Holzklötze allerdings besser geeignet. Weichholz, wie die meisten Nadelhölzer, Weiden, Pappeln, Linden und etliche Birkenarten, sind hierfür ungeeignet; Harthölzer wie vor allem Esche, aber auch Erle, Eiche und Buche sind dagegen gut geeignet. Solch ein Holzblock wird etwas geglättet und, um verschiedenen Arten Nistgelegenheiten zu bieten, mit unterschiedlichen Bohrlochdurchmessern versehen. Geeignete Durchmesser der Löcher sind z.B.:

  • 5-7 mm (für Rote Mauerbienen)
  • 6-10 mm (für Gehörnte Mauerbienen)
  • 4-5 mm (für Stahlblaue Mauerbienen)
  • 3-5 mm (für Scherenbienen und Löcherbienen)
  • 2,5-4 mm (für Maskenbienen)

Der Nistklotz sollte regengeschützt aufgehängt werden und alternativ mit einem „Dach“ aus Dachpappe versehen werden. So kann er viele Jahre an einer Stelle hängen bleiben. Im Handel werden auch bebohrte Blöcke aus Holzbeton zum Kauf angeboten. Ebenfalls unterschiedliche Lochgrößen bieten gelochte Nistziegel aus gebranntem, atmungsaktivem Ton, die es ebenfalls zu kaufen gibt.


Insektenhotel

Insektenhotel am Baum

Man kann die Nisthilfen in Holzklötzen und Stängeln in einem Insektenhotel vereinen, das zu einem sehr sehenswerten Schmuckstück im Garten werden kann. Insektenhotels gibt es in verschiedenen Größen und Ausführungen z.B. bei toom zu kaufen. Natürlich kann man sie mit ein wenig handwerklichem Geschick aber auch aus Naturmaterialien selbst zusammenbauen, wobei auch Bausätze zur Selbstmontage angeboten werden.

Zum Selbstbau gibt es im Internet vielfältige Bauanleitungen. Beim Aufstellen sollte das Insektenhotel mit seiner Vorderseite nach Süden ausgerichtet werden. Ein Dach aus verschiedenen Materialien bildet den oberen Abschluss; auch eine kleine Dachbegrünung ist möglich.

Je vielfältiger solch ein Insektenhotel ist, umso größer wird die sich ansiedelnde Artenvielfalt sein. Neben Wildbienen werden oft auch Florfliegen, Marien-, Holz-, Laufkäfer, Ameisen und Baumwanzen solch ein Haus als Nistkasten nutzen. Es werden sich nur die Wildbienenarten ansiedeln, die in der Umgebung ein ihrer Lebensweise entsprechendes Pollenangebot vorfinden, denn meist sind Wildbienen sehr spezialisiert.

Je vielfältiger also das Pflanzenangebot im Garten, umso vielfältiger auch die Insektenfauna. Sehr gerne werden von verschiedensten Insektenarten Blüten von Doldenblütlern und Korbblütlern angenommen, auch die verschiedenen Küchenkräuter sind zur Blütezeit begehrt.

Eine Alternative bietet darüber hinaus eine Sandfläche im Garten. Viele Wildbienen legen gerne ihre Eier in sonnenbeschienenen Sand ab; deshalb kann man an einem sonnigen Platz im Garten einfach etwas Sand ausstreuen. Darüber hinaus kann man Laufkäfern zusätzlich mit Laub, Holzwolle oder Stroh gefüllte Blumentöpfe als Quartier anbieten, die man umgedreht auf den Boden stellt.

Nisthilfen bei toom


Tipps für die Planung eines nützlingsfreundlichen Gartens

Kinder in die Gestaltung des Gartens einbeziehen.

Kinder in die Gestaltung einbeziehen

Schmetterlinge, Marienkäfer, Honigbienen oder Hummeln – die meisten Kinder finden diese niedlichen Insekten besonders schön. Noch spannender wäre es doch, wenn gerade in ihrem Spielbereich eine lebendige Nützlingszone entsteht. Sind Kinder beim Bauen einer Insektennisthilfe oder dem Setzen insektenfreundlicher Pflanzen für Schmetterlinge von Anfang an dabei, kümmern sie sich später besonders um die frisch angelegten Zonen und freuen sich über neue Gäste.

Übrigens: Viele wissenswerte Infos für Kinder rund im Wildbienen und andere Nützlinge findest du auch auf unserer Tom&Zolli-Kinderseite:

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Nistgelegenheiten vor Haustieren schützen

Haustiere bereichern unseren Alltag, keine Frage. Sobald sie jedoch die frisch gesetzten Pflänzchen ausgraben oder eine neu erbaute Nistgelegenheit zerstören, hört der Gartenspaß schnell auf. Mit hübschen Details wie Tonkübeln oder kleinen Zäunen lassen sich Nützlingszonen gut vom Rest des Gartens abgrenzen. Denkst du weiter in die Höhe, lassen sich auch dort Oasen für Nützlinge schaffen. Alles gut geschützt vor neugierigen Fellnasen!

Giftige Tiere und Pflanzen kennen

Eins ist klar: Giftige Tiere möchten dich nicht ärgern, sondern sich vor Bedrohungen schützen und ihr Überleben sichern. Zu diesen Tieren gehört beispielsweise der Feuersalamander. Normalerweise lebt er in Mischwäldern, verirrt sich jedoch manchmal auch in einen Garten auf dem Land. Sein Hautsekret verursacht bei uns Menschen ein leichtes Hautbrennen. Viele giftige Tiere sind scheu und verstecken sich vor Menschen, andere wie die Honigbienen oder Kreuzottern kennen keine Angst vor uns.

Lebst du mit Kindern oder Tieren zusammen, achte darauf, keine giftigen Pflanzen zu setzen. Dazu gehört zum Beispiel der Fingerhut. Wunderschön blühend, kann er jedoch bei Verzehr von Blättern oder Blüten schnell zur Lebensgefahr für Mensch und Tier werden.

Ungenutzte Areale verwandeln

Kommt in deinem Garten keine gemütliche Atmosphäre auf, weil der Straßenlärm überhandnimmt? Statt einer verlorenen Rasenfläche lässt sich ein himmlisches Schlemmerbuffet für Schwebfliegen, Wildbienen, Schmetterlinge und bunte Käfer zaubern. Eine Blumenwiese zieht zahlreiche Nützlinge und deren Nachwuchs wie Florfliegenlarven magisch an und sieht auch noch wunderschön aus.


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